Warme Füße, Speis und Trank

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Kleines verschneites weihnachtlich geschmücktes Dorf im Winter zur Weihnachtszeit

Ich erzähle euch heute eine Geschichte über ein kleines verschneites Dorf in den Bergen. Am Weihnachtsmorgen wird hier etwas erstaunliches geschehen. Doch dazu kommen wir später.

Das Dorf war zur Weihnachtszeit immer prächtig geschmückt. Doch nun schon das zweite Jahr war ein Haus ohne Schmuck und ohne Lichter. Dort lebten eine Bäuerin und ein Bauer mit ihrer Tochter und ihrem Sohn. Früher war auch dieses Haus prachtvoll mit Lichtern und Tannen bestückt. Denn früher war die Ernte gut. Die Böden waren fruchtbar und das Wasser war klar. So lag das Dorf in Frühjahr wie Sommer fortwährend im Grünen.

Doch das Wetter änderte sich über die Jahre und die Böden wurden trocken und hart, sodass kaum noch eine Pflanze auf ihnen wachsen konnte. Wenn es einmal regnete, regnete es gleich Tage lang und was noch grünte ertrank. So verarmte die Familie und hatte kaum noch Geld oder Essen.

Zum letzten Winter hin hatte die arme Bauernfamilie schon fast alles verkauft, um etwas zu Essen zu haben. Als die kalte Jahreszeit erneut heran brach, backte die Mutter aus dem bisschen Mehl, was ihnen noch blieb, etwas Brot. „Das wird reichen!“ Sagte die Mutter. Doch der Vater versuchte sich im Dorf Geld zu leihen oder wenigstens noch etwas zu Essen zu bekommen. Die Dorfbewohner aber wollten nichts mehr von der verarmten Familie wissen. Der Vater ging von Tür zu Tür: „Bitte, es ist doch Weihnachten.“ Sagte der Vater immer wieder. „Habt ein wenig Nächstenliebe.“ Doch die Antwort war jedes Mal dieselbe: „Nächstenliebe? Ich liebe meinen Nächsten! Doch das bin ich mir selbst! Und jetzt verschwinde!“ Niemand gab ihm weder Geld noch Essen.

Der Sohn und die Tochter des Bauern und der Bäuerin verkauften auf dem Markt fast alle Habseligkeiten, die noch übrig geblieben waren. So blieben der Familie nur noch ein Tisch, zwei Stühle und ein Sessel vor dem Kamin.

Am Weihnachtsabend saßen die Mutter und die Tochter auf den Stühlen, der Sohn vor dem Kamin und der Vater aß im Stehen. Als Festmahl gab es trockenes Brot und Wasser. Doch auf dem Kamin standen noch vier Kerzen und die Familie war trotz Allem froh über das, was sie hatte. Denn es hätte noch schlimmer kommen können. Draußen tobte ein Schneesturm. Es war kalt und ungemütlich. Aber die Familie hatte wenigstens ein Dach über dem Kopf, alle waren gesund und erfreuten sich an der Wärme des Kamins. Die Mutter stimmte ein Weihnachtslied an und die Kinder summten mit.

Da klopfte es plötzlich an der Tür. Ein alter Mann bat darum hereinkommen zu dürfen: „Es ist so bitter kalt hier draußen. Darf ich mich für eine kurze Weile an eurem Kamin wärmen?“ fragte er und der Vater gewährte ihm Einlass. Er bat seinen Sohn, sich auf den Boden zu setzen, sodass der alte Mann sich bequem wärmen konnte.

Nach einer Zeit auf dem Sessel schaute sich der alte Mann um: „Ist das alles, was ihr habt?“ fragte er und zeigte auf das trockene Brot. Seine Hände waren immer noch von der Kälte geplagt, sodass er seinen Finger kaum gerade strecken konnte. Der Vater aber verstand und nickte stumm. „Dann traue ich mich kaum zu fragen,“ sagte der alte Mann „aber ich habe an jede Tür im Dorf geklopft und es duftete überall nach Essen. Doch niemand ließ mich auch nur herein. Und gegessen habe ich schon seit Tagen nichts mehr.“ Die Mutter bot dem alten Mann etwas von dem trockenen Brot und dem Wasser an. „Mmm. Das ist herrlich.“ Sagte der alte Mann. „Ich weiß, es ist spärlich!“ Sagte der Vater dann. „Doch es ist alles, was wir haben!“

Da nahm der alte Mann die Hand des Vaters und sagte: „Das ist mehr, als ich mir erträumt habe. Ach, wie lange ich nichts mehr zu Essen hatte. Und warme Füße bekomme ich auch noch.“ Dann lächelte er zufrieden und lehnte sich in den Sessel zurück. „Und ihr, liebe Kinder?“ Fragte der alte Mann. „Heute ist Heiligabend. Haben euch eure Eltern denn schon eine Weihnachtsgeschichte erzählt?“ Die Tochter nickte: „Ja, aber nur eine kurze.“ „Na, dann habe ich vielleicht noch ein paar schöne Geschichten für euch.“ Sagte der alte Mann und fing an zu erzählen. Die Kinder lauschten ihm gespannt und auch die Eltern waren froh, den alten Mann hereingebeten zu haben.

Nach ein paar Geschichten schlief der alte Mann im Sessel ein. „Wir lassen ihn die Nacht hier schlafen.“ Flüsterte der Vater. „Er scheint sehr erschöpft zu sein!“ Und so legte sich auch die Familie vor den Kamin und schlief.

Als der Sohn morgens erwachte, erwachte er aus einem gar herrlichen Traum. Er hatte von einem Festmahl mit gebratener Gans und Kartoffeln geträumt. Er konnte das Essen immer noch riechen. Der Junge rieb sich die Augen und schaute sich um. Der Sessel war leer und der alte Mann war fort.

Da fiel dem Jungen auf, dass überall Weihnachtsschmuck hing und es duftete so herrlich weihnachtlich. Sollte er noch träumen? Er kniff sich in die Hand und blinzelte, doch alles blieb wie es war. Sofort sprang er auf und rief: „Ein Wunder! Ein echtes Weihnachtswunder!“ Nun wachten auch die Eltern auf und rieben sich die Augen. Und auch die Schwester war erwacht und konnte es kaum glauben.

Weihnachtlich geschmückte Wohnstube mit Kamin, Weihnachtsbaum und Geschenken

Das ganze Haus war festlich geschmückt. Von innen wie von außen. Viele neugierige Dorfbewohner drängten sich draußen. Auf dem Tisch ein Gänsebraten, mit allem, was dazugehört. Die Dorfbewohner voller Neid waren hoch empört. Vier Sessel standen vor dem Kamin. Am Tisch waren vier Stühle. Vor dem Fenster stiegen sie übereinander, was für ein Gewühle. In der Ecke stand ein Weihnachtsbaum und darunter lagen Geschenke. Die Dorfbewohner glaubten’s kaum und verrenkten ihre Gelenke, um besser zu sehen, was da noch ist - Gebäck und Kekse auf dem Tisch. Und von innen an der Tür hing ein kleines Stück Papier. Alle lasen nun gespannt, was darauf geschrieben stand: Gehabt euch wohl und vielen Dank, für warme Füße, Speis und Trank. Frohe Weihnachten! Santa Claus

Autor: Jens Pätz

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