Strohhalm, Kohle und Bohne

Ein Märchen der Gebrüder Grimm

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Märchen der Gebrüder Grimm - Strohhalm, Kohle und Bohne - Autor der Neufassung: Jens Pätz - Cover Bild

In einem Dorf wohnte eine arme alte Frau, die hatte gerade mal ein paar Bohnen für den Herd. So machte sie ein Feuer, um die Bohnen zu kochen. Damit das Feuer schneller brennen sollte, zündete sie es mit einer Hand voll Stroh an.

Als sie die Bohnen in einen Topf schüttete, fiel ihr unbemerkt eine zu Boden. Die gefallene Bohne kam neben einem Strohhalm zum liegen. Bald darauf sprang auch eine glühende Kohle vom Herd und kugelte zu den beiden hinüber.

Da fing der Strohhalm an und sprach: „Liebe Freunde, wo kommt ihr her?“ Die Kohle antwortete: „Ich bin glücklicherweise dem Feuer entkommen. Hätte ich das nicht mit Gewalt durchgesetzt, so wäre mir der Tod gewiss gewesen. Ich wäre zu Asche verbrannt.“

Die Bohne sagte: „Ich bin auch noch mit heiler Haut davongekommen. Aber hätte mich die Alte in den Topf geworfen, wäre ich ohne Barmherzigkeit zu Brei gekocht worden - wie meine lieben Kameraden.“

„Naja.“ sprach da der Strohhalm, „Hätte mich denn ein besseres Schicksal ereilt? Alle meine Brüder hat die Alte in Feuer und Rauch aufgehen lassen, sechzig hat sie auf einmal gepackt und ums Leben gebracht. Glücklicherweise bin ich ihr zwischen den Fingern durchgeschlüpft.“

„Was sollen wir aber nun anfangen?“ fragte die Kohle. Die Bohne antwortete: „Weil wir so glücklich dem Tode entronnen sind, sollten wir als gute Freunde diesen Ort verlassen, bevor uns doch noch ein Unglück ereilt. Lasst uns gemeinsam auswandern und in ein fremdes Land ziehen.“

Der Vorschlag gefiel den beiden anderen, und sie machten sich miteinander auf den Weg. Bald aber kamen sie an einen kleinen Bach. Da weder eine Brücke noch ein Steg zu sehen war, wussten sie nicht, wie sie hinüberkommen sollten.

Der Strohhalm fand guten Rat und sprach: „Ich will mich querüber legen, so könnt ihr auf mir wie auf einer Brücke hinübergehen.“ Kaum ausgesprochen, streckte er sich von einem Ufer zum anderen. Die Kohle, die von hitziger Natur war, trippelte auch ganz keck auf die neu gebaute Brücke. Als sie aber in der Mitte angekommen war und unter sich das Wasser rauschen hörte, bekam sie es mit der Angst zu tun.

Zitternd blieb sie stehen und traute sich nicht weiter. Der Strohhalm aber fing an zu brennen. Zu lange hatte die heiße Kohle an derselben Stelle gestanden. Der Strohhalm zerbrach in zwei Stücke und fiel in den Bach. Die Kohle rutschte nach, zischte, als sie ins Wasser kam, und versank.

Die Bohne, die vorsichtigerweise noch auf dem Ufer zurückgeblieben war, musste über die Geschichte lachen. Sie konnte nicht aufhören und lachte so gewaltig, dass sie zerplatzte. Nun war es ebenfalls um sie geschehen.

Glücklicherweise gab es einen Schneider, der sich müde vom Wandern an jenem Bach nieder ließ. Er hatte das komische Treiben der drei ungleichen Freunde neugierig verfolgt. Um den Strohhalm und die Kohle war es längst geschehen. Weil er aber ein mitleidiges Herz hatte, holte er Nadel und Zwirn heraus und nähte die Bohne wieder zusammen.

Die Bohne bedankte sich bei ihm viele Male und hatte einen neuen Freund gefunden. Aber da der Schneider einen schwarzen Zwirn benutzt hatte, haben seit dieser Zeit alle Bohnen eine schwarze Naht.

Angepasst an die zeitgemäße deutsche Sprache. Bei einigen Werken wurden, auf Grund von zu hoher Gewalt, bzw. bei zu vielen Grausamkeiten, auch inhaltliche Änderungen vorgenommen. So weit es möglich war, wurden die Werke aber im Ursprung belassen. Dies soll keine Kritik an den Grimm-Märchen darstellen. Aber auch unsere kleinsten Leser sollen ordentlich "Lesespaß" haben. Wir wünschen euch weiterhin viel Vergnügen mit Schlummerienchen & den Grimm-Märchen!

Autor des Originals: Die Gebrüder Grimm
Quelle: Kinder- und Hausmärchen
(v.1850 & v.1912)
Autor der Änderungen: Jens Pätz

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