Zauberella und das verbotene Haus (Serie)

Episode 4 - Zeit für Magie

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Bei der Turbulenten Flucht, vor der Steinblume, mussten Zauberella und Quietscher Dodo vorerst zurücklassen. Doch eins sollte sicher sein: Zauberella würde alles daransetzen, den kleinen, tapferen Pilz, zu retten.

Als sie und Quietscher weit genug geflogen waren, landete Zauberella auf einer kleinen Lichtung. Unter einem großen Baum ließ sich die kleine Fee auf den Waldboden fallen und schnappte nach Luft. Sie konnte immer noch nicht fassen, was gerade passiert war. Ist im Dunkelwald wirklich alles böse? Sogar schimmernde Blumen?

Während Zauberella immer noch bestürzt und sprachlos auf der Lichtung lag, schaute sie in einen strahlend blauen Himmel. Viel zu gern ließ sie ihre Gedanken, nach diesem furchtbaren Erlebnis, abschweifen. Der Himmel war wunderschön. Aber es war auch sehr merkwürdig. Hier ist es heller, als zuvor im Wald, dachte sie und drehte ihren Kopf zur Seite. Alles war grün und die Vögel zwitscherten. Ein Schmetterling flatterte auf sie zu und setzte sich ins grüne Gras. „Na, mein kleiner Freund?“ flüsterte sie und streckte ihre Hand aus. Doch dann dachte sie, wer weiß, ob das ein normaler Schmetterling ist und zog die Hand wieder zurück. Kurz darauf flog der Schmetterling auf ihre Nasenspitze. Die kleine Fee erschrak und blieb ganz still. Aber außer einem Kitzeln in der Nase war nichts weiter zu spüren. „Puh.“ Erleichtert atmete Zauberella aus. Sie schielte, um den Schmetterling besser sehen zu können. Doch das Kribbeln in der Nase wurde immer mehr. Die kleine Fee zog ein komisches Gesicht, um nicht niesen zu müssen. Es sah aus, als hätte sie mit Schmackes in eine bittere Zitrone gebissen. Der Druck wurde einfach zu groß. Plötzlich platzte es aus ihr heraus: „Hatschuuu!“ machte sie und der Schmetterling flatterte davon. Was für eine Erleichterung. Sie rieb sich die Nase und schaute dem bunten Insekt hinterher. Wie es so lustig flatternd im Zick Zack in den Himmel flog. Da war er wieder, der strahlend blaue Himmel. Waren sie etwa dem Dunkelwald entkommen? Konnte das sein? Oder war der Dunkelwald gar nicht so dunkel wie vermutet?

So viele Fragen schossen ihr durch den Kopf und auch Dodo kam ihr wieder in den Sinn. Sie dachte wieder an die Steinblume und wie mutig der kleine Pilz für sie eingeschritten war. Warum war sie nur so neugierig? Die kleine Fee gab sich die Schuld an Dodo’s Versteinerung. Traurig setzte sie sich auf, zog die Knie an und fing an zu weinen. „Wie konnte ich so dumm sein?“ jammerte sie.

Nach einer Weile schaute sie zu Quietscher hoch. Der Funke schwebte über ihr, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben. Die kleine Fee saß zusammengekauert auf dem Waldboden mit Tränen im Gesicht und dachte: „Na, wenigstens konnte ich ihn retten.“ Aber wie sollte sie den kleinen Pilz befreien? Dodo sagte: im Dunkelwald gäbe es keine Feenmagie. Wenn das wirklich wahr ist, wie sollte sie ihn dann zurückverwandeln?

Mit einem Mal sprang Zauberella auf und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Herumsitzen und heulen hilft Dodo auch nicht weiter! Du bist eine kleine starke Fee! Dir wird schon etwas einfallen!“ sagte sie bestimmend. Zwar mehr um sich selber Mut zu machen, als alles andere, doch das genügte ihr für den Moment. Dann verschränkte sie ihre kleinen Ärmchen vor der Brust und marschierte unter dem großen Baum hin und her. Ab und an blieb sie stehen und schaute freudig zu Quietscher hoch, als hätte sie die Lösung. Quietscher schaute dann freudig zu Zauberella hinunter und schnatterte. Doch dann verwarf Zauberella die Idee jedes Mal wieder, ließ die Flügel hängen und marschierte weiter. Und auch Quietscher verstummte dann jedes Mal wieder und surrte über dem Kopf der kleinen Fee wieder mit ihr hin und her. Das ging einige Male so, bis Quietscher es nicht mehr aushielt – jedes Mal von himmelhoch jauchzend wieder in die Hilflosigkeit fallen. Beim gefühlten hundertsten Mal schnatterte er schimpfend auf die kleine Fee ein. „Ja, ja, ist ja schon gut!“ sagte Zauberella sofort, denn sie wusste, was Quietscher störte. Ab jetzt sprach sie laut und gestikulierte mit ihren Zeigefingern: „Sehen wir das Ganze mal logisch. Anfassen dürfen wir Dodo nicht. Geschweige denn in die Nähe der Steinblume kommen. Aber meine Magie funktioniert nicht im Dunkelwald.“

Plötzlich blieb Zauberella wieder einmal stehen. Doch dieses Mal streckte sie ihre Hände nach vorne und schaute sie sich genau an. Dann presste sie ihre Zunge angestrengt zwischen ihre Lippen und stieß die linke Hand in die Luft. Für Quietscher war das ein seltsames Bild. Wollte sie jetzt etwa tanzen?

Doch Zauberella schloss die Augen und sprach: „Wer dunkles will, den bricht das Licht. Ein Schutz muss her für dich und mich. Starke Bande neu verknüpft, ein Schutzzauber entschlüpft des Auras Lichts.“

Als sie mit dem Aufsagen ihres Zauberspruchs fertig war, stand sie mit geschlossenen Augen still da und horchte, ob sie etwas hören könnte. Quietscher landete auf einem Ast und überlegte, was das werden sollte. Dann blinzelte die kleine Fee mit einem Auge, um nachzusehen, ob irgendetwas passiert war. Ihre Hand war immer noch Richtung Sonne gestreckt. Im Hintergrund konnte sie einen Vogel erkennen, der erschrocken auf einem Ast saß und sich offensichtlich vor Schreck auf den Waldboden erleichtert hatte. Mehr war aber offenbar nicht passiert.

„Pfff!“ atmete die kleine Fee enttäuscht aus und ließ ihre Hand wieder fallen. „Sowas Blödes!“ murmelte sie und schaute zu Quietscher hoch. „Eine Fee ohne Feenmagie. Wenn das nicht der Hauptgewinn ist, oder?“ rief sie dem Funken zu. Doch Quietscher blieb stumm. Und so widmete sich Zauberella wieder ihren Überlegungen: „Ein Satz mit x, das war wohl nix!“ begann sie wieder mit sich selbst zu sprechen. „Es gibt also tatsächlich keine Feenmagie im Dunkelwald. Die Steinblume aber, hat Dodo versteinert. Und da kannst du dich drehen und wenden wie du willst: Das geht nur mit Magie.“ Plötzlich blieb Zauberella wieder stehen. Jetzt ging ihr ein Licht auf und das war nicht Quietscher.

Freudig schaute sie den kleinen Funken an. Der blieb aber dieses Mal skeptisch. „Quietscher!“ rief sie. „Als ich in der Naturzauberei einen Pflanztopf mit einem Versorgungszauber belegt hatte, blühte und gedieh die Lapula Vendis. Doch beim herumalbern mit Lavia, stieß ich eines Tages aus Versehen den Topf von der Fensterbank und er zerbrach.“ Zauberella zog abrupt eine Schnute und schaute nachdenklich zur Seite. „Dafür habe ich mir eine fette sechs eingehandelt. Frau Malevita war stink sauer auf mich. Wieso eigentlich nur auf mich?“ murmelte sie. Dann schaute sie aber wieder zu Quietscher hoch. „Egal! Worauf ich aber hinaus will: Als der Topf weg war, war auch der Zauber weg und die Lapula Vendis verwelkte in Null Komma Nix. Du konntest regelrecht dabei zusehen, wie sie austrocknete. Die Blätter wechselten von saftigem Grün ins ausgedörrte Braun. Weißt du, was das heißt?“ rief die kleine Fee dem Funken freudig zu. Jetzt verstand Quietscher, was sie meinte und die Antwort war, wie sollte es anders sein, ein freudiges Quietschen. „Richtig!“ sagte Zauberella, als hätte sie Quietscher verstanden. „Die Magie verschwindet, wenn das verschwindet, was sie hervorgerufen hat. So einfach ist es! Lassen wir die Blume verschwinden, verschwindet auch ihre Magie!“

Quietscher schöpfte neuen Mut und schwirrte vergnügt um Zauberella herum. Und auch Zauberella strahlte über das ganze Gesicht. „Das ist die Lösung!“ rief sie und flatterte ein Stück weit in die Luft. Dort drehte sie freudig einige Runden mit dem kleinen Funken.

Zauberella und Quietscher fliegen vergnügt auf einer Lichtung im Wald - Geschichte: Zauberella und das verbotene Haus; Episode 4 - Zeit für Magie; Autor: Jens Pätz; Website: schlummerienchen.de

Dann verstummte sie aber plötzlich und sank wieder zu Boden. „Aber wie sollen wir die Steinblume verschwinden lassen - ohne Magie?“ sagte sie entmutigt und ließ die Flügel hängen. Sie hockte sich wieder auf den Waldboden und war jetzt langsam aber sicher der Verzweiflung nahe. Quietscher aber platzte fasst. Jetzt hatte sie ihn schon wieder hoffen lassen, dass sie eine Lösung hätte. Wütend schnatterte der kleine Funke drauf los. Je mehr Zauberella überlegte und je lauter Quietschers Schimpfen wurde, desto wütender wurde auch die kleine Fee.

Schlagartig sprang sie auf und fing auch an zu schimpfen: „Aber die Versteinerung war doch auch Magie! Wieso sollte es also im Dunkelwald keine Feenmagie geben?“ Für Zauberella war es klar wie Muscheltaschensuppe: Feenmagie musste auch im Dunkelwald existieren. Wahrscheinlich war sie nur zu dumm - sie anzuwenden.

Verzweifelt und wütend stemmte sie ihre Füße in den warmen Waldboden. Sie versuchte, sich zu konzentrieren. Sie dachte an die Steinblume und kochte innerlich. Quietscher hörte auf zu schimpfen, als wollte er damit sagen, das hatten wir doch alles schon. Aber Zauberella ließ sich nicht beirren. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. „Diese Blume soll nie wieder jemandem Leid zufügen.“ zischte sie erbost und biss die Zähne zusammen. Danach schloss sie ihre Augen und murmelte etwas, das auch Quietscher nicht verstehen konnte. Zauberella spürte ihre Wut immer weiter aufkochen. Sie war sehr unbeherrscht und schien nicht mehr sie selbst zu sein. Jetzt wurde Quietscher doch neugierig.

Regungslos stand die kleine Fee da. Es dauerte einige Zeit, aber dann begann sie langsam über dem Waldboden zu schweben. Ohne ihre Flügel zu benutzen. Quietscher traute seinen Augen nicht. Als nächstes rauschte ein mächtiger Windzug durch die umherstehenden Büsche. Über Zauberella entstanden, scheinbar aus dem Nichts, nach und nach immer mehr kleine rote Funken. Es knisterte und zischte wie an einem Lagerfeuer. Die kleine Fee streckte ihre Arme aus und zog mit ihnen Kreise durch die Luft. Quietscher schwirrte aufgeregt umher. Und auch die Funken fingen an im Kreis durch die Luft zu schwirren. Dann formte sich etwas aus ihnen. Es sah aus, wie ein Vogel.

Der kleine Funke Quietschte, als er die Magie der kleinen Fee sah. Es war ein imposantes Schauspiel. Der brennende Vogel wurde immer größer und breitete letztendlich seine gewaltigen Flügel aus. Quietscher wurde es jetzt aber allmählich zu unheimlich. Der Vogel war ihm einfach zu groß. Schnell sauste er hinter einen stämmigen Baum, um Deckung zu suchen. Aus der Deckung heraus lugte er aber immer noch neugierig hervor.

Zauberella spürte eine unbändige Wut in sich. Die Kraft der kleinen Fee schien ins unermessliche zu steigen. Doch unerwartet veränderte sich plötzlich etwas. Sie konnte es fühlen. Irgendetwas stimmte nicht! Der Vogel wurde mächtiger - mächtiger als die kleine Fee selbst. Sie konnte die brennende Furie kaum noch beherrschen; und das beunruhigte sie.

Und auch Quietscher war beunruhigt. So etwas Angst einflössendes hatte er nicht erwartet. Als der feuerrote Vogel seine Schwingen dann zum ersten Mal kräftig schlug, erschrak nicht nur Quietscher. Auch Zauberella selbst zuckte zusammen. Mit all ihrer Kraft konzentrierte sie sich jetzt darauf, den Zauber umzukehren. Doch der Phoenix war entfesselt und rauschte mit seinen glutroten Schwingen über die kleine Fee hinweg.

Als Quietscher das mit ansah, schoss er hinter dem Baum hervor und schnatterte wild los, um die Aufmerksamkeit des Phönix auf sich zu lenken. Das funktionierte auch ziemlich gut. Der Vogel wendete und nahm den kleinen Funken in seinen feurigen Blick. In diesem Moment merkte Quietscher, dass er das Ganze nicht gut durchdacht hatte. Die Hosen gestrichen voll sauste er schnell wieder in Deckung. Der Phönix setzte nun zielstrebig zum Angriff auf den stämmigen Waldriesen an, hinter dem sich Quietscher verbarg. Er sauste unaufhaltsam auf den kleinen Funken zu. Quietscher war starr vor Angst und schloss die Augen.

Er hörte das Getöse der brennenden Flügel und wusste, der Phönix würde jetzt mit voller Wucht durch den Baum rauschen. Doch dann wurde es plötzlich Still. Der kleine Funke öffnete seine Augen langsam wieder und kam vorsichtig hinter dem Baum hervor. Was war geschehen? Um ihn herum regnete es Asche. Von dem Phönix nichts zu sehen. Zauberella hatte es geschafft! Als der mächtige Vogel auf den Baum prallte zersprangen seine lodernden Federn wieder in Tausende kleine Funken, die nach und nach verdampften.

Erschöpft und erleichtert zugleich, sank die kleine Fee zu Boden. Mehr als erstaunt - über ihre Zauberkräfte - saß sie da, während die Asche auf sie nieder rieselte. Quietscher war noch völlig betäubt von der ganzen Aufregung. Immer noch zitternd und etwas unbeholfen surrte der kleine Funke zu Zauberella hinunter. Zauberellas Blick war wie leer gefegt. Entgeistert schaute sie Quietscher an und flüsterte: „Was … was war das?“ Dann schaute sie auf ihre Hände und drehte sie hin und her: „War ich das?“ ... Fortsetzung folgt!

Autor: Jens Pätz

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