Zauberella und das verbotene Haus (Serie)

Episode 3 - Licht im Dunkelwald

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Nachdem Dodo sich entschlossen hatte, Zauberella zu begleiten, war die kleine Fee nun mit dem kleinen Pilz und seinem Freund Quietscher auf dem Weg durch den Dunkelwald. Zauberella merkte schnell, dass Dodo nicht übertrieben hatte. Der Dunkelwald war wirklich dunkel und sehr unheimlich. Die drei Gefährten schlichen vorsichtig durch die Unterhölzer des Waldes. Alles in diesem Wald war anders. Zauberella erkannte nichts wieder. Sogar die Bäume sahen anders aus – irgendwie bedrohlicher - als sonst. Ohne Dodo und Quietscher hätte sie sich auf jeden Fall verlaufen, dachte sie, als ihr plötzlich ein Lächeln über das Gesicht huschte.

Dodo bemerkte das Lächeln und fragte nach: „Was ist? Warum lächelst du?“ „Ach nichts!“ Antwortete die kleine Fee. „Ich dachte nur gerade, dass ich mich ohne euch bestimmt verlaufen hätte.“ Dodo verstand nicht ganz. „Und das bringt dich zum lächeln?“ fragte er etwas verwirrt. „Naja.“ sagte Zauberella „Ich habe mich dann gefragt, wie man sich eigentlich verlaufen kann, wenn man doch gar nicht weiß, wo man hinläuft? Ich weiß ja nicht, wo das Haus ist. Woher soll ich also wissen, ob ich mich gerade verlaufe oder vielleicht doch richtig gehe?“ Jetzt verstand Dodo, was die kleine Fee meinte. „Das ist gar nicht mal so unklug.“ Sagte er nach kurzem Überlegen. Dann strahlte er über das ganze Gesicht: „Du hast recht! Das heißt, wir können uns gar nicht verlaufen.“ Dodo und Zauberella sahen sich an und kicherten.

Quietscher schien diese Logik aber nicht so lustig zu finden. Er surrte hektisch vor den Beiden umher und quietschte. Zauberella verstand ihn mal wieder nicht. Aber Quietschers Töne klangen, als wollte er sich beschweren. Also hörte sie auf zu kichern und schaute fragend zu Dodo hinüber. Auch Dodo hatte bei Quietschers schimpfen mit dem Kichern aufgehört. Jetzt schien der kleine Funke wieder zufrieden zu sein. Alle hatten sich beruhigt und der Ernst der Lage war wieder hergestellt.

Als sich aber Dodos und Zauberellas Blicke erneut trafen, war es mit der „Kicherpause“ im Handumdrehen vorbei. Beide prusteten los und begannen wieder zu kichern und zu lachen. Quietscher fing sofort wieder an aufgeregt zu schnattern. Dann drehte er sich beleidigt um und flog davon. „Hey!“ rief Dodo. „Bleib hier!“ Doch Quietscher ignorierte den kleinen Pilz und tat so, als würde er ihn nicht hören. Da wandelte sich Dodos kichern in Meckern. Jetzt war plötzlich der kleine Pilz am Schimpfen. „Wozu haben wir dich denn mitgenommen? Wenn du da hinten herumleuchtest, bringt uns das gar nichts. Wir stapfen hier im Dunkeln durch den Wald und du spielst die beleidigte Leberwurst, oder was? Komm sofort wieder her!“

Während der kleine Pilz schimpfte und schimpfte und sich immer mehr ereiferte, entdeckte Zauberella in der Ferne ein rötlich schimmerndes Licht. Es war bis auf Quietscher die einzige Lichtquelle in Sichtweite der kleinen Fee und so weckte es ihre Neugier. Vorsichtig flog sie darauf zu. Je näher sie kam, desto mehr erkannte sie neben dem Licht noch warme Sonnenstrahlen. Sollte der Dunkelwald vielleicht doch nicht so dunkel sein?

Dodo war unterdessen immer noch fleißig am schimpfen, ohne Luft zu holen. Und Quietscher tat immer noch so, als würde er Dodo nicht hören. „Also manchmal ist es nicht zu fassen, wie frech der kleine Lichtkrümel ist! Stimmt’s, oder habe ich recht?“ meckerte Dodo und wartete auf eine Antwort der kleinen Fee. Aber da kam nichts. Als er sich umdrehte war niemand mehr hinter ihm. Das machte den kleinen Pilz ruckartig wieder vorsichtig und er flüsterte nur noch: „Zauberella? Zauberella? Wo steckst du?“

Plötzlich zischte Quietscher laut schnatternd an Dodo vorbei. Der kleine Pilz stürzte vor Schreck auf seinen Pilzpo. „Was zum…“ rief er gerade noch, als er Zauberella in der Ferne erspähte. Sie flog geradewegs auf das warme Licht zu. „Nein, stopp, halt!“ rief Dodo aufgeregt und sprang auf. Wie von einer Dünnwaldbiene gestochen rannte der kleine Pilz los. Die kleinen Ärmchen in der Luft wild umherfuchtelnd huschte er im Zick Zack durch das hohe Gras. „Quietscher, du musst jetzt tapfer sein und sie aufhalten! Ich schaffe das nicht rechtzeitig!“ rief er dem flinken Funken zu. Quietscher schien kurz zu überlegen, sauste dann aber doch in Richtung der kleinen Fee. Dodos Rufe waren so laut, dass Zauberella aus der Ferne seine Stimme vernahm.

Kurz hielt sie inne und schaute, was der Pilz da machte. Aber sie sah im Dunkeln nur schaukelnde Grasspitzen. Also drehte sie sich wieder um. Inzwischen konnte sie einen Teich erkennen. Mitten in diesem Teich lag eine kleine grüne Insel. Überall schwirrten Libellen und es gab große Teichrosen im Wasser. Auf der grünen Insel blühte eine rote Blume im Sonnenschein. Es war wie ein Fenster hinaus aus dem Dunkelwald. Das musste sie aus der Nähe sehen. Zauberella wollte gerade weiterfliegen, da erreichte Quietscher die kleine Fee endlich. Dodo war heilfroh und ließ sich erleichtert in die Gräser fallen. Dort blieb er nach Luft schnappend liegen. „Oh, du beim großen Champignon.“ Schnaufte er. „Was für eine Hektik! Aber das ist ja gerade nochmal gut gegangen.“

Rote Blume auf einer kleinen Insel in einem Fluss im Wald - Geschichte: Zauberella und das verbotene Haus; Episode 3 - Licht im Dunkelwald; Autor: Jens Pätz; Website: schlummerienchen.de

Quietscher sauste unterdessen ununterbrochen um die kleine Fee herum. Er schnatterte und quietschte, aber Zauberella verstand kein Wort. „Was ist denn Quietscher?“ fragte sie und der Funke wurde immer lauter. Zauberella dachte, er wäre immer noch verärgert wegen der Kicherei. „Jetzt hör bitte auf Quietscher! Sei doch nicht böse auf mich.“ versuchte sie den kleinen Funken zu beruhigen; der wurde aber nur noch lauter. „Du solltest das mit Dodo klären.“ Sagte Zauberella schließlich energisch. Dann wedelte sie den Funken mit ihrer Hand zur Seite und flog weiter.

Der kleine Pilz traute seinen Augen nicht, als er sah, wie die kleine Fee ihren Weg fortsetzte. „Das kann doch nicht wahr sein!“ flüsterte er und sprang wieder auf. Er lief so schnell er konnte. Doch es waren immer wieder Stöcke und Steine im Weg. Quietscher wusste nicht was er machen sollte. Er schaute zurück, aber vom Pilz war nicht viel zu sehen. Ab und zu tauchte eine kleine rote Kappe aus den schaukelnden Gräsern auf, das war's aber auch. Da hörte der kleine Funke Dodo rufen: „Quietscher! Was kannst du eigentlich, außer leuchten?“ Mehr kriegte der kleine Pilz nicht über die Lippen. Er brauchte die Luft zum Laufen. Angestachelt von Dodo's Worten zischte Quietscher wieder los.

Zauberella war mittlerweile am Teich angekommen. Die rote Blume in der Mitte der Insel schimmerte so bezaubernd, dass die kleine Fee gar nicht mehr wegschauen wollte. Als sie näher flog, kitzelte ein betörender Duft ihre Nase. „Was riecht hier so gut?“ fragte sie sich und landete in der warmen Sonne. Alles war wie zu Hause. Neugierig beäugte sie die rote Blume und streckte langsam ihre Hand nach den glitzernden Blütenblättern aus.

Da hörte sie von hinten plötzlich etwas auf das Wasser platschen und komische Laute machen – etwas wie: „Nichfassen fetta!“ Zauberella drehte sich erschrocken um und sah, wie der kleine Pilz völlig außer Atem über die Teichrosenblätter hechtete und auf sie zugeschossen kam. Sie schaffte es noch, große Augen zu machen, da krachte der Pilz auch schon aus vollem Sprung in sie hinein. Die kleine Fee stürzte zur Seite und purzelte über das feuchte Gras. Noch im Rutschen wollte sie sich beschweren. Doch da sah sie, wie die betörende Pflanze sich unbemerkt von hinten an sie herangeschlichen hatte.

Da, wo jetzt Dodo an ihrer Stelle stand, rankten Pflanzenstränge aus dem Boden. Der kleine Pilz nahm es gerade mit der Pflanze auf und versuchte verzweifelt auszuweichen und sich in Sicherheit zu bringen. Fast hätte er es auch geschafft, als die Pflanze ihn doch noch am Fuß erwischte. Zauberella wollte ihm sofort helfen, doch da schrie der kleine Pilz: „Das ist eine Steinblume! Du darfst mich nicht…“ Mehr konnte er nicht mehr sagen. Bei seinen letzten Worten war er bereits zu Stein erstarrt.

Zauberella saß regungslos am Rande der kleinen Insel. Was war da gerade passiert? Sie konnte es nicht fassen. Der kleine Pilz war nun ein Stein, der in die Ferne blickte und mit einem Arm auf sie zeigte. Was hatte sie getan? Die kleine Fee war wie gelähmt. Sie dachte an die lustigen Gespräche mit dem kleinen Pilz und wie sie gerade noch gelacht und gekichert hatten, als sie von einem vertrauten Geschnatter aus ihrer Ruhe gerissen wurde. Quietscher flog aufgeregt um die Blume herum. Die Pflanze versuchte ihn zu greifen. Zauberella musste ihm helfen, doch erst musste sie nach Dodo sehen. Irgendwie musste sie den Pilz doch retten können.

Als Quietscher das sah, sauste er blitzgeschwind zwischen den Pilz und die kleine Fee. Er wollte anscheinend nicht, dass sie den Pilz berührt. Da verstand Zauberella, was Dodo gemeint hatte. Wenn sie ihn berühren würde, würde auch sie zu Stein erstarren. Sie versuchte nachzudenken, als sie hinter Quietscher auch schon wieder die Ranken der Pflanze aufsteigen sah. Sie blickte nochmal auf den kleinen Pilz und sagte: „Mein tapferer Dodo. Ich werde dir helfen!“ Dann schnappte sie den kleinen Funken und schoss in die Luft. Die Ranken der Pflanze schossen ihr hinterher. Doch Zauberella sauste so schnell und weit davon, dass die Steinblume sie nicht mehr erreichen konnte ... Fortsetzung folgt!

Autor: Jens Pätz

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