Schneewittchen und die 7 Zwerge

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Schneewittchen und die 7 Zwerge Cover - Grimm Märchen - Neufassung Autor: Jens Pätz - schlummerienchen.de

Es war einmal mitten im Winter. Die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und in den Schnee hinausblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger. Es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: „Hätt ich doch nur ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarz wie Ebenholz.“ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein. Das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Und so sollte es Schneewittchen (Schneeweißchen) heißen. Als das Kind geboren war, starb die Königin und nach einem Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine sehr schöne Frau. Aber sie war stolz und übermütig. Und so konnte sie es nicht ertragen, wenn ihre Schönheit von jemand Anderem übertroffen werden sollte. Und so hatte sie einen wunderbaren Spiegel, in dem sie sich gerne beschaute. Und wenn sie sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“

so antwortete der Spiegel

„Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“

Da war sie zufrieden, denn sie wusste das der Spiegel die Wahrheit sagte. Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner. Und als es sieben Jahr alt war, war es so schön, wie der klare Tag, und schöner als die Königin selbst. Als diese jetzt ihren Spiegel fragte:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“

so antwortete er:

„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr.“

Da erschrak die Königin und ward gelb und grün vor Neid. Von dieser Stunde an hasste sie das Mädchen. Wenn sie Schneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum. Und der Neid und Hochmut wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer höher, das sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen Jäger und sprach: „Bring das Kind hinaus in den Wald. Ich will‘s nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es töten und mir sein Herz als Beweis mitbringen.“ Der Jäger gehorchte und führte es hinaus. Doch als er das Jagdmesser gezogen hatte und Schneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fing es an zu weinen und sprach: „Ach, lieber Jäger, lass mir mein Leben; ich will in den wilden Wald laufen und nie wieder heim kommen.“ Der Jäger hatte Mitleid und sprach „So lauf hin, du armes Kind.“ Und Schneewittchen lief hinfort. Der Jäger dachte sich: „Die wilden Tiere werden dich sowieso bald gefressen haben.“ Und es fiel ihm ein Stein vom Herzen, weil er das Mädchen nicht zu töten brauchte. Doch nun fehlte ihm ein Beweis für die Königin. Also erlegte er ein Reh und nahm dessen Herz als Beweis.

Nun war das arme Kind in dem großen Wald Mutterseelen allein. Die Blätter in den Bäumen rauschten und es wusste sich nicht zu helfen. Es hatte Angst. Da fing es an zu laufen und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen. Die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie taten ihm nichts. Es lief so lange  die Füße noch konnten. Es lief und lief, bis es dunkel wurde. Da sah es ein kleines Häuschen und ging hinein, um sich auszuruhen. Doch in dem Häuschen war alles kleinlich und zierlich, aber reinlich. Schneewittchen schaute sich um und stand mit einem Male vor einem weiß gedeckten Tischlein mit sieben kleinen Tellern. Jedes Tellerlein mit seinem Löffelein. Dann noch sieben Messerlein und Gäblein und Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein neben einander aufgestellt und schneeweiße Laken darüber gedeckt. Schneewittchen war so hungrig und durstig, dass sie von jedem Tellerlein ein wenig Gemüse und Brot aß. Und aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein trank. Denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen. Danach legte es sich in einBettchen, weil es so müde war. Aber keines passte. Das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war: und darin blieb es auch liegen und schlief ein.

Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von des Häusleins heim. Das waren sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an. Wie es nun hell im Häuslein wurde, sahen sie, dass jemand darin gewesen war. Denn es stand nicht alles so, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach: „Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“ Der zweite: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ Der dritte: „Wer hat von meinem Brötchen genommen?“ Der vierte: Wer hat von meinem Gemüschen gegessen?“ Der fünfte: „Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?“ Der sechste: „Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?“ Der siebente: „Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?“

Dann sah sich der erste um und sah, dass auf seinem Bett eine kleine Delle war. Da sprach er „Wer hat in mein Bettchen getreten?“ Die andern kamen gelaufen und riefen: „In meinem hat auch jemand gelegen.“ Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Schneewittchen. Nun rief er die andern und die kamen herbeigelaufen. Vor Verwunderung redeten sie alle durcheinander. Dann holten sie ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen. „Ei, du mein Gott! ei, du mein Gott!“ riefen sie, „Was ist das Kind so schön!“ und hatten so große Freude, dass sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen ließen. Damit auch alle sieben Zwerge ihre Schlaf bekamen, schlief der siebte Zwerg bei seinen Gesellen - bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum.

Am nächsten Morgen erwachte Schneewittchen und erschrak, als es die sieben Zwerge sah. Sie waren aber freundlich und fragten: „Wie heißt du?“ „Ich heiße Schneewittchen.“ antwortete es. „Wie bist du in unser Haus gekommen?“ sprachen die Zwerge weiter. Da erzählte es ihnen die ganze Geschichte. Das seine Stiefmutter es hatte umbringen lassen wollen. Das der Jäger hatte ihr aber das Leben geschenkt. Dass es den ganzen Tag gelaufen sei, bis es endlich ihr Häuslein gefunden hatte.

Die Zwerge sprachen: „Wenn du unsern Haushalt machst, kochen, betten, waschen, nähen und stricken. Und du alles ordentlich und reinlich hälst, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“ „Ja,“ sagte Schneewittchen „von Herzen gern,“ und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung: Morgens gingen sie in die Berge und suchten Erz und Gold. Abends kamen sie wieder. Da musste ihr Essen bereit stehen. Den Tag über war das Mädchen allein, da warnten es die guten Zwerglein und sprachen: „Hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, dass du hier bist; lass ja Niemanden herein.“

Die Königin unterdessen, dachte sie wäre wieder die erste und allerschönste im ganzen Land und trat vor ihren Spiegel und sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“

Da antwortete der Spiegel

„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Schneewittchen über den sieben Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als ihr.“

Da erschrak sie, denn sie wusste, dass der Spiegel keine Unwahrheit sprach. So merkte sie, dass der Jäger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs Neue, wie sie es umbringen konnte; denn solange sie nicht die schönste war im ganzen Land, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht und kleidete sich wie eine alte Krämerin. So war sie nicht mehr zu erkennen. In dieser Gestalt ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen und klopfte an die Türe. „Schöne Ware feil! feil!“ rief sie. Schneewittchen guckte zum Fenster hinaus und rief „Guten Tag, liebe Frau! Was habt ihr zu verkaufen?“ „Gute Ware, schöne Ware! Schnürriemen von allen Farben,“ antwortete sie und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. „Die ehrliche Frau kann ich herein lassen“ dachte Schneewittchen, riegelte die Türe auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen. „Kind,“ sprach die Alte, „wie du aussiehst! komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.“ Schneewittchen hatte nichts dagegen, stellte sich vor sie und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren. Aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest, dass Schneewittchen keine Luft mehr kriegte und zu Boden fiel. „Nun bist du die schönste gewesen“ sprach sie, und eilte hinaus.

Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Haus. Sie erschraken, als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen; und es regte und bewegte sich nicht, als wäre es tot. Sie hoben es in die Höhe, und weil sie sahen dass es zu fest geschnürt war, schnitten sie den Schnürriemen durch. Da fing es an ein wenig zu atmen und wurde nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hörten was geschehen war, sprachen sie: „Die alte Krämerfrau war niemand anderes als die gottlose Königin. „Hüte dich und lass keinen Menschen mehr herein, wenn wir nicht bei dir sind.“ Das böse Weib aber, als es nach Haus gekommen war, ging wieder vor den Spiegel und fragte:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist dir schönste im ganzen Land?“

Da antwortete er wie auch zuvor:

„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Schneewittchen über den sieben Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als ihr.“

Als sie das hörte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so doll erschrak sie. Denn sie sah, dass Schneewittchen wohl wieder lebendig geworden war. „Nun aber,“ sprach sie, „will ich etwas aussinnen, das dich zu Grunde richten soll!“ Mit Hexenkünsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt eines andern alten Weibes an.

So ging sie hin über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Türe und rief: „Gute Ware feil!' Feil!“ Schneewittchen schaute heraus und sprach: „Geht nur weiter, ich darf niemanden hereinlassen.“ „Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein.“ sprach die Alte, zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die Höhe. Da gefiel er dem Kinde so gut, dass es sich betören ließ und die Türe öffnete. Als sie des Kaufs einig waren, sprach die Alte: „Nun will ich dich einmal ordentlich kämmen.“ Das arme Schneewittchen dachte an nichts Böses, und ließ die Alte gewähren. Aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, wirkte das Gift darin und das Mädchen fiel ohne Besinnung nieder. „Du Ausbund von Schönheit,“ sprach das boshafte Weib, „jetzt ist‘s um dich geschehen,“ und ging fort.

Zum Glück aber war es bald Abend, wo die sieben Zwerglein nach Haus kamen. Als sie Schneewittchen wie tot auf der Erde liegen sahen, hatten sie gleich die Stiefmutter in Verdacht. Sie schauten geschwind nach und fanden den giftigen Kamm. Kaum hatten sie ihn herausgezogen, kam Schneewittchen wieder zu sich und erzählte was vorgefallen war. Da warnten sie es noch einmal auf der Hut zu sein und niemandem die Türe zu öffnen.
Die Königin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach erneut:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“

Da antwortete er, wie auch zuvor,

„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Schneewittchen über den sieben Bergen
bei den sieben Zwergen
ist doch noch tausendmal schöner als ihr.“

Als sie den Spiegel so reden hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn. „Schneewittchen soll sterben,“ rief sie, „und wenn es mein eigenes Leben kostet.“ Darauf ging sie in eine ganz verborgene einsame Kammer, wo niemand hin kam. Dort machte sie einen giftigen Apfel. Äußerlich sah er schön aus - weiß mit roten Backen. Sodass jeder, der ihn erblickte, Lust danach bekam. Aber wer ein Stückchen davon essen sollte, der musste sterben. Als der Apfel fertig war, färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich in eine Bauersfrau. So ging sie abermals über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an und Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster hinaus. Sie sprach: „Ich darf keinen Menschen einlassen. Die sieben Zwerge haben es mir verboten.“ „Mir auch recht,“ antwortete die Bäuerin, „meine Äpfel will ich schon los werden. Da, einen will ich dir schenken.“ „Nein,“ sprach Schneewittchen, „ich darf nichts annehmen.“ „Fürchtest du dich vor einem Apfel?“ sprach die Alte. „Siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Teile; den roten Backen iss du, den weißen will ich essen.“ Der Apfel war aber so künstlich gemacht, dass der rote Backen allein vergiftet war. Schneewittchen schmachtete den schönen Apfel an. Und als es sah, dass die Bäuerin davon aß, so konnte es nicht länger widerstehen. Es streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken und lachte laut. „Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz! Dieses Mal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.“ Und als sie daheim den Spiegel befragte:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“

so antwortete er endlich:

„Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“

Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann. Die Zwerglein, wie sie abends nach Hause kamen, fanden Schneewittchen auf der Erde liegend. Es ging kein Atem mehr aus seinem Mund und es war tot. Sie hoben es auf und suchten, ob sie was giftiges fänden. Sie schnürten es auf und kämmten ihm die Haare. Sie wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts; das liebe Kind war tot und blieb tot. Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle Sieben daran und beweinten es. Sie weinten drei Tage lang. Dann wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch. Es hatte noch seine schönen roten Backen. Sie sprachen: „Das können wir nicht in die dunkle Erde versenken,“ und ließen einen durchsichtigen Sarg aus Glas machen. Sodass man es von allen Seiten sehen konnte. Sie legten es hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf. Auch das es eine Königstochter wäre schrieben sie hinzu. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg. Einer von ihnen blieb immer dabei und bewachte ihn. Und die Tiere kamen und beweinten Schneewittchen. erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.

Nun lag Schneewittchen lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus als wenn es schliefe - denn es war noch so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz.

Zu dieser Zeit geschah es, dass ein Königssohn in den Wald geriet und zu dem Zwergenhaus kam, um dort zu übernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg und das schöne Schneewittchen darin. Neugierig las er, was mit goldenen Buchstaben, darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen: „Lasst mir den Sarg. Ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.“ Aber die Zwerge antworteten: „Wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt fort.“ Da sprach der Prinz: „So schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben ohne Schneewittchen zu sehen. Ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.“ Wie er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleid mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Königssohn ließ ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, dass sie über einen Strauch stolperten. Von der Erschütterung fuhr das giftige Apfelstück aus Schneewittchens Hals. Es dauerte nicht lange, da öffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die Höhe, und richtete sich auf. Sie war wieder lebendig. „Ach Gott, wo bin ich?“ rief es. Der Königssohn sagte voll Freude „Du bist bei mir,“ und erzählte was sich zugetragen hatte und sprach „ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloss. Da sollst du meine Gemahlin werden.“

Als Schneewittchen den Prinzen sah, verliebte auch sie sich in ihn und ging mit ihm. Ihre Hochzeit war prachtvoll und mit großer Herrlichkeit angeordnet.
Zu dem Fest wurde aber auch Schneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit schönen Kleidern angetan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel antwortete:

„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber die junge Königin ist tausendmal schöner als ihr.“

Da stieß das böse Weib einen Fluch aus. Gleichzeitig wurde ihr so Angst und Bange, das sie sich nicht zu helfen wusste. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen: doch ließ es ihr keine Ruhe. Sie musste fort und die junge Königin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Schneewittchen. Vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen.

Die wachen des jungen Königs ergriffen die böse Königin und wollten sie in den Kerker werfen. Doch Schneewittchen hatte erbarmen. Trotz der grausamen Taten, sollte ihre böse Stiefmutter nicht im kalten und dunklen Kerker verenden. So ließ der junge König im obersten Turm ein Schlafgemach herrichten. Die Wände wurden von oben bis unten mit Spiegeln versehen. Dort ließ er die böse Königen einsperren. So sah sie für den Rest ihres Lebens, wie sie alt und grau wurde. Und mit einem Blick aus dem obersten Turmfenster, sah sie, zur selben Zeit, die blühende Schönheit der jungen Königin. Es dauerte nicht lange und ihr neidisches Herz brachte sie um.

Schneewittchen musste nie wieder ein Leid erfahren. Sie besuchte die sieben Zwerge und die Tiere im Wald oft und lebte glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Autor: Jens Pätz

Angepasst an die zeitgemäße deutsche Sprache. Bei einigen Werken wurden, auf Grund von zu hoher Gewalt, bzw. bei zu vielen Grausamkeiten, auch inhaltliche Änderungen vorgenommen. Dies soll keine Kritik an den Grimm-Märchen darstellen. Aber auch unsere kleinsten Leser sollen ordentlich "Lesespaß" haben. Wir wünschen euch weiterhin viel Vergnügen mit Schlummerienchen & den Grimm-Märchen!

Autor des Originals: Die Gebrüder Grimm
Quelle: Kinder- und Hausmärchen
(v.1850 & v.1912)
Autor der Änderungen: Jens Pätz

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