Rotkäppchen und der böse Wolf

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Rotkäppchen und der böse Wolf im Wald

Es war einmal vor langer Zeit. Da lebten ein Bauer und eine Bäuerin mit ihrer kleinen Tochter in einem kleinen Dorf am Rande eines wunderschönen Waldes. Sie hatten nicht viel, doch es reichte zum Leben. Die Mutter war eine herzensgute Frau und kümmerte sich liebevoll um das kleine Mädchen. Jeder im Dorf mochte die Kleine. Sie war brav und gehorsam und half so gut sie konnte, wann immer jemand ihre Hilfe brauchte.

Neben Mutter und Vater gab es noch eine Großmutter. Die lebte, nicht weit entfernt, alleine im Wald. Es gefiel ihr dort und so wollte sie dort auch nicht fort. Die Großmutter war sehr stolz auf ihre Enkelin und so schenkte sie ihr gerne schöne Sachen. Denn auch, wenn sie selbst nicht viel hatte, war sie doch recht geschickt mit Nadel und Faden.

Einmal schenkte sie dem kleinen Mädchen ein rotes Käppchen mit rotem Gewand. Und weil dem kleinen Mädchen Käppchen und Gewand so gut gefielen, trug sie sie jeden Tag. So dauerte  es nicht lange und jedermann im Dorf nannte das kleine Mädchen nur noch Rotkäppchen.

Eines schönen Morgens rief die Mutter Rotkäppchen zu sich: „Schau mal, mein Rotkäppchen, hier ist ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein.“ Sagte sie. „Wir wollen Großmutter etwas Gutes tun. Sie fühlt sich gerade nicht so toll. Bring ihr das hinaus in ihr kleines Haus. Sie ist schwach auf den Beinen und liegt viel. Kuchen und Wein sollen ihre Lebensgeister wieder wecken. Mach dich geschwind auf. Dann bist du noch zum Mittag zurück. Und bleib brav auf dem Weg. Lauf nicht in den Wald. Sonst fällst du noch und zerbrichst das Glas. Dann hätte die Großmutter nichts mehr, um sich daran zu erfreuen. Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiss nicht, guten Morgen zu sagen. Und guck nicht erst in alle Ecken herum.“

„Ich will schon alles gut machen.“ sagte Rotkäppchen zur Mutter und gab ihr die Hand darauf. Springend und singend hüpfte Rotkäppchen los. Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne begleitete Rotkäppchen auf ihrem Weg in den Wald.

Der Pfad zur Großmutter schlängelte sich an den schönsten Blumen entlang. Es duftete herrlich! Rotkäppchen mochte den Weg zu ihrer Großmutter durch das Nadelholz. Es roch nach Tannen und Fichten. Wie sie gerade einmal stehen blieb und die schönen Blumen am Wegesrand betrachtete, spähte ein riesiger Wolf hinter einem der Bäume hervor. Rotkäppchen hatte noch nie zuvor einen Wolf gesehen. Also wusste sie nicht, wie böse und durchtrieben er war.

„Guten Morgen, Rotkäppchen.“ säuselte der Wolf ganz lieb und Rotkäppchen dachte sich, ach wie schön. Selbst bis in den Wald ist mein Name vorgedrungen. „Schönen Dank! Den wünsche ich euch auch!“ Antwortete sie ohne Furcht und Kummer.

„Wohin so früh des Weges?“ fragte der Wolf und Rotkäppchen antwortete vergnügt: „Zur Großmutter! Ich bringe ihr Kuchen und Wein, da wird sie sich freuen. Gestern haben wir gebacken. Ei, war das ein Spaß! Und heute bring ich ihr davon was.“ Trällerte sie.

„Ach, das ist aber nett von dir.“ lobte der Wolf das vergnügte Mädchen aufmerksam. Dann fragte er hinterlistig: „Sag, wo wohnt denn deine liebe Großmutter?“ Rotkäppchen dachte sich nichts Böses und freute sich, dass das liebe Tier ihr so viel Beachtung schenkte. „Ach, nicht mehr weit von hier.“ Antwortete sie. „Nur noch eine gute Viertelstunde weiter durch den Wald. Unter den drei großen Eichbäumen - da steht ihr Haus. Unten sind die Nusshecken, die kennst du bestimmt.“

„Oh ja.“ Sagte der Wolf. „Wer kennt die Nusshecken nicht.“ Während er das sagte, überlegte er: „Das junge zarte Ding ist ein leckerer Bissen. Die Kleine wird auf jeden Fall besser schmecken als die alte Frau. Doch satt werde ich von dem kleinen Leckerbissen nicht. Ich muss es listig angehen, damit ich Beide schnappen kann.“

Nachdenklich ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her. Dann sprach er: „Sag mal Rotkäppchen, du schaust dich gar nicht um. Sieh mal die schönen Blumen, die rings umher stehen.“

„Doch ich sehe sie!“ antwortete Rotkäppchen. „Ich muss mich nur beeilen, dass ich zur Mittagszeit wieder im Dorf bin.“ Aber der Wolf setzte nach: „Du solltest schon genauer hinsehen. Sonst verpasst du was, das sage ich dir! Ein Blick kostet doch nicht viel Zeit!“ Da schaute sich Rotkäppchen genauer um. Der Wolf hatte recht es war noch früh und die Sonne stand hoch am Himmel. Sie sah wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten. Auf den schönen Blumen ließen sich Schmetterlinge nieder. Einige tanzten lustig über den Blüten herum. „Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, wird sie sich bestimmt freuen.“ dachte sie. „Es ist so früh am Tag, dass ich dann immer noch bei Zeiten ankomme. Und wenn ich vorsichtig bin, geht die Flasche auch nicht kaputt!“

So lief sie unbekümmert vom Wege ab in den Wald hinein. „Danke für deinen Rat lieber Wolf!“ rief sie und begann die schönsten Blumen zu sammeln. Wenn sie eine gepflückt hatte, sah sie aber noch tiefer im Wald eine Schönere stehen. Und so geriet sie immer weiter in den Wald hinein.

Der Wolf freute sich, dass seine List aufgegangen war und ging geradeswegs zum Haus der Großmutter. Er klopfte an die Tür und lauschte. „Wer ist da?“ fragte die alte Frau. „Rotkäppchen!“ rief der Wolf mit zarter Stimme und voller Vorfreude. „Ich bringe Kuchen und Wein! Schnell, mach auf!“ Kurz war es still. Dann antwortete die Großmutter: „Drück nur auf die Klinke, mein Kind. Ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.“

Das lass ich mir nicht zweimal sagen, freute sich der Wolf und drückte auf die Klinke. Die Tür sprang auf und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, geradewegs zum Bett der Großmutter. Mit einem Happs wollte er sie verschlingen. Doch wieder hielt er kurz inne und überlegte. Wenn ich warte, bis das Rotkäppchen da ist, habe ich einen guten Wein zum Essen und sogar noch Kuchen zum Nachtisch. Also fesselte er die alte Frau auf einem Stuhl in der Ecke und band ihr den Mund zu. Dann zog er ein Kleid der Großmutter an, setzte ihre Haube auf und legte sich in ihr Bett. Wieder überlegte der Wolf: „Das ist zu hell! So erkennt sie mich!“ dachte er und zog noch schnell die Vorhänge zu. Jetzt war es schön düster im Haus.
 

Rotkäppchen hatte in der Zwischenzeit einen so großen Strauß Blumen gesammelt, dass ihre kleinen Hände ihn kaum noch halten konnten. „Das muss reichen.“ Dachte sie und legte die Blumen auf den Korb. Die Sonne war schon weit gewandert und so machte sie sich geschwind auf den Weg.

Als sie bei der Großmutter ankam, klopfte sie an die Tür. „Wer ist da?“ fragte der Wolf mit lieblicher Stimme. „Rotkäppchen! Ich bringe Kuchen und Wein!“ antwortete das kleine Mädchen brav. Kurz war es still. Dann säuselte der Wolf mit lieblicher Stimme zurück: „Drück nur auf die Klinke, mein Kind. Ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.“

Und so drückte Rotkäppchen auf die Klinke. Aber, als sie in die Stube trat, kam es ihr seltsam darin vor. „Oh je, wie gruselig ist es heute hier.“ Dachte sie. „Dabei bin ich sonst so gerne bei der Großmutter! Das müssen die zugezogenen Vorhänge sein.“

Auf dem Weg zum Bett der Großmutter wollte Rotkäppchen sich umschauen, doch dann fielen ihr die Worte ihrer Mutter wieder ein: „Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiss nicht, guten Morgen zu sagen. Und guck nicht erst in alle Ecken herum.“

Also verhielt Rotkäppchen sich so, wie ihre Mutter es ihr aufgetragen hatte. Sie blieb stehen und rief: „Guten Morgen!“ Doch sie bekam keine Antwort. Daraufhin tastete sie sich zum Bett der Großmutter vor. Dabei war sie brav und schaute nicht in jede Ecke. Nur geradeaus, bis sie das Bett sah. Da lag die Großmutter. Sie hatte die Haube tief ins Gesicht gezogen und sah sehr wunderlich aus. Ihr schien es wirklich nicht gut zu gehen. „Arme Großmutter! Ein wenig von dem wärmenden Sonnenlicht wird ihr bestimmt gut tun!“ dachte Rotkäppchen und wollte die Vorhänge aufziehen, doch der Wolf sprach lieblich: „Ach mein gutes Kind, lass die Vorhänge zu. Ich habe solch großes Kopfweh. Komm lieber näher heran, damit ich dich begrüßen kann.“

Wieder gehorchte Rotkäppchen brav und trat näher an das Bett heran. Ihre Augen hatten sich an das schummrige Licht gewöhnt und so konnte sie die falsche Großmutter nun besser erkennen. „Oh je, Großmutter, warum hast du so große Ohren?“ fragte sie. „Damit ich dich besser hören kann!“ Antwortete der Wolf mit liebreizender Stimme. „Oh je, Großmutter, aber warum hast du so große Augen?“ fragte das Rotkäppchen. „Damit ich dich besser sehen kann!“ Antwortete der Wolf mit warmer Stimme. „Oh je, Großmutter, aber warum hast du so große Hände?“ fragte das Rotkäppchen. „Damit ich dich besser packen kann!“ raunte der Wolf noch lieblich. „Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul?“ fragte das Rotkäppchen. „Damit ich dich besser fressen kann!“ prustete der Wolf und sprang mit einem Satz aus dem Bett.


Rotkäppchen erschrak und wollte weglaufen, aber es war zu spät! Der Wolf packte sie und fesselte sie neben der Großmutter auf einem Stuhl. „So weit, so gut!“ sagte der gierige Wolf und rieb sich die Hände. Dann überlegte er: „Aber, vielleicht nehme ich doch erst einen Schluck von dem leckeren Wein.“ Sprach er zu sich selbst. Gesagt, getan. Und schon zog er mit seinem großen Maul den Korken aus der Flasche. „Plopp!“ Dann nahm er einen ordentlichen Hieb des lieblichen Nektars. „Naja, vielleicht esse ich den Kuchen doch als Vorspeise.“ Dachte er sich dann, als er vom süßlichen Wein gekostet hatte. Der Kuchen war aber nicht nur süß, sondern auch etwas trocken. Und so nahm er danach doch noch einen kräftigen Schluck von dem leckeren Wein. Und dann doch noch einen weiteren Bissen von dem leckeren Kuchen. Und dann wieder einen Schluck von dem leckeren Wein. Und so weiter und so fort. Das ging so lange, bis Kuchen und Wein leer waren. Angetrunken und zufrieden, von Wein und Kuchen, legte sich der böse Wolf schläfrig ins Bett. „Fressen kann ich euch auch später noch.“ murmelte er, während er selig hinweg schlummerte. Kurz darauf fing er an sehr laut zu schnarchen.

Glücklicherweise kam ein Jäger an dem Haus vorbei, als der böse Geselle – laut schnarchend – eingekuschelt im Bett der Großmutter lag. Wie er das Schnarchen hörte, dachte er sich: „Au weia! So laut wie die alte Frau schnarcht, da muss ich doch mal gucken, ob ihr etwas fehlt.“ Als er an das Bett der Großmutter kam, sah er den Wolf. „Finde ich dich hier, du hinterlistiger Geselle!“ flüsterte er. „Ich habe dich schon lange gesucht! Na warte!“ Dann legte er das Gewehr an und sah aus den Augenwinkeln, dass sich etwas in der Ecke bewegte. Er fuhr mit der Flinte herum: „Noch ein pelziger Gauner?“ rief er. „Tritt hervor, du Bösewicht!“

Doch dann erkannte er die Großmutter und das Rotkäppchen. Schnell band er sie los und schickte sie nach draußen.

Dann knallte es im Haus

und als nächstes trug der Jäger den bösen Wolf heraus.

 „Der wird euch nicht mehr fressen!“ Sagte er stolz.

„Ganz im Gegenteil! Kommt, wir sammeln Feuerholz!

Dann gehen wir ins Dorf zurück und feiern ein Fest,

bei dem ihr den Bösewicht selbst aufesst!“

Autor: Jens Pätz

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