Großmutter und die Lillilus

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Lillilu Sebastian - von Großmutter und die LillilusMeine Großmutter erzählte mir oft fantastische Geschichten über drollige kleine Wesen – die Lillilus. Sie wären gerade mal so groß wie ein Hühnerei, erzählte Sie mir immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Und flauschig seien Sie. Flauschiger als das flauschigste Küken das ich mir vorstellen könne. Mit Kulleraugen und einem riesigen Mund, damit Sie besser lachen können.

Ich fragte oft, wieso die Lillilus denn eigentlich Kulleraugen hätten? Und meine Großmutter machte ihre Augen ganz weit auf, ließ sie lustig kreisen und guckte mich mit erstauntem Blick an. „Damit sie so lustig erschrocken aussehen.“, sagte sie dann und wir mussten beide lachen.

Die Lillilus haben die tollsten Abenteuer erlebt. Einmal waren sie gefangen und umzingelt von Indianer-Schnecken. Aber Sebastian, der tapferste Lillilu sprang einfach auf eine Indianer-Schnecke, packte sie bei den Fühlern und schrie lauthals „Hiiijaah.“ Dann gab er ihr die Sporen und ritt los. Seit dem reiten die Lillilus auf Indianer-Schnecken. So kommen sie zwar langsamer voran, aber das ist den Lillilus egal. Sie sind sehr sehr sehr geduldig.

Meine Großmutter verriet mir, dass die Lillilus einmal ganze fünf Jahre auf den Sommer warten mussten. Da war es sehr lange sehr kalt. Und was haben die Lillilus gemacht? Die haben sich nicht darüber geärgert. Nein! Sie sind gerutscht und gerodelt. Sie sind Ski gefahren und haben Schneemänner gebaut. Sie sind Schlittschuhe gelaufen, haben sich beim Eisangeln vergnügt und jede Menge Spaß gehabt. Die Lillilus haben einfach immer gute Laune.

Ich habe meine Großmutter immer bewundert, dass sie so tolle Ideen hatte um mir so tolle Sachen zu erzählen. Oft habe ich mich gefragt, wie sie nur auf die ganzen Geschichten kam. Bis ich die Lillilus selbst traf.

Ich spielte bei uns vor dem Haus. Ich war gerade 7 Jahre alt geworden und fühlte mich schon groß. Mama sagte zwar ich solle nicht im Matsch spielen, weil die Hose dann immer so dreckig wird, aber als fast Erwachsener beschloss ich trotzdem im Matsch zu spielen. Ich stocherte mit einem Stock im Boden herum. Dort wo das meiste Wasser war. Wer weiß, vielleicht würde ja da noch mehr Wasser raus kommen. Also steckte ich den Stock so tief in den Matsch wie ich konnte. Mit aller Kraft drückte ich den Stock nach unten. Bis er plötzlich brach und mir mit voller Wucht gegen mein Bein schleuderte. Das tat total weh! Am liebsten hätte ich los geheult, als ich die riesigen Flecken auf meiner Hose sah. „Oh nein!“ dachte ich. „Wenn Mama das sieht, kriege ich ganz doll Ärger.“ Auf einmal fühlte ich mich nicht mehr so erwachsen. Ganz im Gegenteil. Ich wollte heulen und in den Arm genommen werden.

Als ich nach oben sah, stand da ein kleines flauschiges Wesen. Gerade mal so groß wie ein Hühnerei. Es schaute mich mit großen Augen an und lächelte. „Hi, ich bin Sebastian.“ sagte es leise und streckte die Hand aus. Ich traute meinen Augen nicht. Da stand wirklich ein Lillilu. Und dann auch noch Sebastian, der tapferste von allen. Er war knall gelb und wartete das ich ihm die Hand reichen würde. „Magst du mich nicht?“ fragte er. „Oder warum willst du mir nicht die Hand geben?“ „Ich mach dir einen Vorschlag. Ich mache deine Hose sauber und dafür reichst du mir deine Hand. Okay?“ Ich wollte ihm Antworten, aber ich schaffte es gerade mal den Mund auf zu machen. Also nickte ich nur stumm. Sebastian fing an meine Hose sauber zu machen. Er fuhr mit seinen Händen blitzschnell über mein Hosenbein. So schnell, dass man seine Hände gar nicht sehen konnte. Es glitzerte nur überall wo er mit den Händen entlang fuhr. Ehe ich mich versah war meine Hose sauberer als vorher. Sebastian klopfte seine Hände ab und räusperte sich. „So.“ sagte er. „Jetzt nochmal von vorne. Ich bin Sebastian.“ Und wieder streckte er mir seine Hand entgegen. Ich schüttelte seine Hand mit meinem Finger. „Na also, geht doch.“ sagte er. „Warum steckst du einen Stock in die nasse Erde?“ fragte er dann. Ich antwortete mit schwacher Stimme: „Ich wollte sehen ob da noch mehr Wasser heraus kommt.“ „Ach so.“ sagte Sebastian. „Du weißt also gar nicht wie es in der Erde aussieht?“ fragte er. Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte. „Was meinst du?“ fragte ich ihn. „Komm ich zeige es dir.“ sagte er und nahm meinen Finger.

Auf einmal sah ich lauter verschiedene Erdschichten und Wasser und Erde die wie Feuer brannte. „Was ist das? Wo sind wir?“ fragte ich erschrocken. „Du musst keine Angst haben.“ sagte Sebastian. „Wir sind immer noch bei dir vor dem Haus. Alles ist gut.“ Was meinte er denn jetzt damit? Das sah hier nicht aus wie bei uns vor dem Haus. Sebastian sah meinen verwirrten Blick und fing an zu erklären. „Okay pass auf. Wir Lillilus können an andere Orte gehen ohne wirklich hinzugehen. Ich weiß das hört sich komisch an. Stell dir einen Fernseher vor. Dort siehst du auch viele Dinge und bist nicht da. Das können wir Lillilus einfach so. Und wenn ich wen dabei berühre, dann kann er das Gleiche sehen wie ich.“

„Das ist ja voll toll!“ rutsche es mir begeistert raus. „Ja, oder?“ sagte Sebastian. „Wenn Du willst kann ich dir noch mehr zeigen.“ Ich überlegte kurz. Wie Fernsehen ist es hatte er gesagt. „Kannst du mich an alle Orte bringen, die ich aus dem Fernsehen kenne?“ fragte ich. Sebastian schüttelte den Kopf. „Aber warum nicht? Du hast gesagt es ist wie beim Fernseher.“ Ich war total enttäuscht. Aber Sebastian schüttelte weiterhin den Kopf. „Genau das ist es.“ sagte er dann. „Ich kann dir alle Orte zeigen, dass du denkst du wärst dort, aber wir sind niemals wirklich da.“ ergänzte er. „Achso!“ sagte ich „Das meinte ich doch auch.“. Freudestrahlend reichte ich ihm meinen Finger. „Und los ging’s!“

Wir waren überall – also nicht wirklich, aber es war wie in echt. Wir haben Zebras und Elefanten in Afrika gesehen, Pinguine die am Südpol auf ihrem Bauch über das Eis schlitterten, wir waren in einem riesigen Vergnügungspark in Amerika und sind im Meer mit Delphinen geschwommen. Wir waren auf der ganzen Welt und haben alles gesehen. Naja, oder zumindest das, was ich aus dem Fernseher bisher kannte.

Als wir wieder vor unserem Haus waren, konnte ich immer noch kaum glauben, was ich heute erlebt hatte. Ich stand immer noch mit offenem Mund und großen Augen vor Sebastian. „Ich hoffe das war toll für dich.“ sagte Sebastian. „Aber jetzt ist es schon spät. Du musst langsam ins Bett. Deine Mutter wartet bestimmt schon auf dich.“ Es stimmte, es war wirklich schon spät und wurde langsam schon dunkel. Ich wollte aber nicht das Sebastian geht. „Willst du nicht mit rein kommen?“ fragte ich Sebastian. „Heute nicht.“ sagte er. „Vielleicht nächstes mal. Du musst jetzt erstmal schlafen. Morgen zeige ich dir dann die Sterne.“ sagte Sebastian. „Gute Nacht und träum was schönes.“

Autor: Jens Pätz

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