Ein brillianter Freund 2

Was raschelt denn da?

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Brilliant das Pony und Mila das kleine Mädchen auf dem Reiterhof aus der Gutenachtgeschichte Ein Brillianter Freund von Jens Pätz auf schlummerienchen.de

Es ist einen Tag nach Milas Geburtstag. Heute ist es soweit. Heute will Mila das erste Mal auf ihrem neuen Pony reiten. Voller Vorfreude springt sie früh morgens aus dem Bett und schlüpft geschwind in ihre Hose. Socken an, T-Shirt drüber und los geht’s! Milas Wecker ist heute nutzlos – denn der klingelt noch lange nicht.

Als Milas Eltern endlich zum Frühstück in die Küche hinunter gehen, ist von Mila weit und breit keine Spur. „Komisch“, sagt Milas Papa, „Auf ihrem Zimmer war sie auch nicht“. Milas Mama setzt Kaffee auf und schüttelt den Kopf: „Mensch Papa“, lächelt sie, „Na, wo wird Mila wohl sein?“

Ja wo wird Mila wohl sein? Natürlich bei Brilliant in den Stallungen. Mila ist schon seit einer Stunde bei ihrem neuen besten Freund. Sie verwöhnt ihn nach Strich und Faden. Ein bisschen Hafer hier, eine Mohrrübe da und zwischendurch wird gestriegelt und geschmust. Während Mila mit ihrer Wange verträumt an Brilliants warmer Flanke kuschelt, denkt sie: „Heute werde ich das erste Mal auf dir reiten, mein kleiner schlauer Frechdachs. Ein bisschen nervös bin ich ja schon“. Da wird Mila aus ihren Gedanken gerissen. „Hier steckst du also“, hört sie die Stimme ihres Papas, „Komm jetzt. Eise dich mal los. Du musst zur Schule mein Schatz!“ So schwer es Mila auch fällt, Schule geht vor!

Nach einem gefühlten unendlich langen Schultag flitzt Mila dann aufgeregt nach Hause. Aber dieses Mal hat ihr Papa es kommen sehen. Und damit er nicht wieder hinter der ungeduldigen kleinen Mila hinterhersprinten muss, hat er schon mal alles vorbereitet. Bereits als Mila auf den Reiterhof gelaufen kommt, wartet ihr Papa schon auf der großen Weide – das Pony gesattelt und marschbereit.

Zu Beginn muss Mila erst mal wieder ein paar Vertrauensübungen mit Brilliant machen. Dann hebt ihr Papa sie endlich vorsichtig auf den Rücken des Ponys. Brilliant lässt es ruhig geschehen. Mila streicht durch seine Mähne und atmet den Pferdegeruch ein, den sie so mag. Dann berührt Mila’s Papa das Pony sanft und sie gehen ein paar Schritte. Brilliant geht mit. Ein Schritt, zwei Schritte, drei Schritte.

„Ich kann reiten!“, ruft Mila ganz aufgeregt. „Ja, das stimmt!“, lacht Milas Papa, „Du reitest. Aber jetzt nicht übermütig werden! Wir machen schön langsam weiter“. Mila lässt die Schultern hängen und zieht eine Schnute: „Ja, Papa!“, seufzt sie genervt aber glücklich. So gehen die Drei auf der ganzen Wiese herum. Mila wird immer sicherer und Brilliant gewöhnt sich auch immer mehr an das kleine Mädchen auf seinem Rücken, das er so schnell so lieb gewonnen hat.

Als sie nach ein paar Runden, auf der großen Weide, gerade am Rand der Wiese langsam dahinreiten, hören sie ein Geräusch aus dem Gebüsch.

„Pssst!“ flüstert Mila‘s Papa und bleibt stehen. Dabei streicht er Brilliant über die Stirn und hält die Zügel straff. „Ganz ruhig!“, sagt er mit beruhigender Stimme zu dem nervösen Pony.

– Da raschelt es wieder in den Büschen –

„Was ist das?“ fragt Mila aufgeregt. Doch Milas Papa antwortet nicht. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt aufzupassen, dass Brilliant nicht durch geht. Immer hin könnte sich das Pony vor Schreck aufbäumen und die kleine Mila könnte herunter fallen.

„Was ist denn das Papa?“ fragt Mila nochmal.

„Ja, ja, Moment.“ antwortet Milas Papa jetzt leise, während er verblüfft feststellt, dass seine Sorge völlig umsonst war. Brilliant bleibt seelenruhig stehen. „Ich schätze mal, wir haben jemanden gestört“, sagt Milas Papa weiter.

Mila zappelt unruhig auf Brilliant herum: „Vielleicht ist es ein Bär oder ein Wolf?“, flüstert sie.

„Wohl eher ein Hase oder ein Reh.“ lacht Milas Papa, als er sein kleines Mädchen so aufgeregt auf dem Pony sieht. „Aber wir können ja mal nachschauen!“

„Oh ja!“ flüstert Mila.

Milas Papa lässt Brilliant los und geht ganz leise zum Gebüsch. Da macht Brilliant einen Schritt zurück

„Keine Angst!“, beruhigt ihn Mila.

In der Zeit traut sich Milas Papa etwas näher heran. Da hören sie wieder ein Rascheln. Das Pony geht weiter zurück.

„Ich glaube, ich sehe unseren kleinen Freund!“, flüstert Milas Papa.

„Wirklich? Was ist es denn?“, ruft Mila neugierig.

„Schau mal“, antwortet ihr Papa und hebt einen Zweig etwas an, „Ein Dachs!“ Kaum laut ausgesprochen, geht alles plötzlich sehr schnell. Brilliant macht nervös mehrere Schritte zurück. Milas Papa hebt den Zweig weiter an und schaut auf einen schwarz-weiß gestreiften Schwanz.

„Schnell, weg!“, ruft er kreidebleich und will aufspringen. Er rutscht aber aus, und im selben Moment sprüht ihm eine gelbe Wolke entgegen. Dann raschelt es wieder, und der Dachs ist weg. Mila kann sich vor Lachen fast nicht auf dem Pony halten – Brilliant wiehert mit.

„Das war kein Dachs, Papa!“, ruft Mila, „Das war ein Stinktier!“

„Ach ja? Wirklich? Wäre mir gar nicht aufgefallen!“, grummelt Milas Papa im ersten Moment und schüttelt sich. Als er aber sieht, wie schlau Brilliant Abstand genommen hat, beginnt auch er aus voller Kehle zu lachen. „Du hättest mich ruhig mal warnen können, wenn du es schon wusstest!“, sagt er dabei zu Brilliant, „Jetzt bin ich hier wohl das Stinktier!“

Auf dem Weg zurück zu den Boxen darf Mila alleine reiten. Brilliant hält Abstand zu ihrem Papa. Er stinkt so sehr, dass ihn das Pony nicht näher als eine Armlänge an sich heran lässt. Mila ist immer noch am Kichern!

Zuhause nimmt Milas Papa erst mal eine ordentliche Dusche, während Mila ihrer Mama brühwarm berichtet, wie Papa ausgerutscht ist und ihn das Stinktier voll erwischt hat. Selbst beim fünften oder sechsten Mal müssen beide immer noch herzhaft lachen.

Am Abend sitzt Mila dann noch gemeinsam mit Mama und Papa auf der Terrasse. Es ist ein schöner warmer Sommerabend. Die Sonne geht langsam unter und färbt den Himmel mit den schönsten Farben. „Schau mal“, sagt Milas Mama, „Wie rot die Sonne ist. Das heißt, morgen gibt es wieder schönes Wetter“. Mila kuschelt sich an ihre Mama ran: „Ja“, seufzt sie.

„Mila?“ fragt die Mama auf einmal. „Warum hat dich eigentlich das Stinktier nicht auch erwischt? Du bist mit Papa doch sonst immer bei allem dabei.“

„Ja, weil ich doch auf dem Pony gesessen habe!“ antwortet Mila.

„Aber ihr wart doch alle beieinander, oder nicht?“ fragt die Mama noch einmal genauer nach.

„Naja, zuerst schon. Aber immer wenn Papa einen Schritt vorwärts gemacht hat, ist Brilliant mit mir einen Schritt zurück gegangen.“, kichert die kleine Mila.

„Das gibt’s doch nicht!“ lacht Milas Mama plötzlich los, „Da hast du aber wirklich einen brillianten neuen Freund!“ Dann zwinkert sie dem Papa zu. Mila bemerkt davon nichts. Sie bewundert nur freudestrahlend den farbenprächtigen Himmel. Und mit einem glücklichen Seufzer flüstert sie: „Ja, echt brilliant - mein neuer Freund!“

Autor: Jens Pätz

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