Ein brillianter Freund

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Gute Nacht Geschichte - Ein Brillianter Freund - Cover Bild - Wiese und Pony

Es ist ein wunderschöner Morgen auf dem Reiterhof von Mila’s Eltern. Hier leben Mila, Mama, Papa und viele Pferde. Mila mag alle von ihnen. Auch wenn sie alle unterschiedlich sind. Sternschnuppe ist zum Beispiel sehr sanftmütig. Zumindest zu Mila. Wenn Papa nicht hinsieht schmiegt sie sich gerne mit der Wange an Sternschnuppes Seite. Karacho ist dagegen sehr ungestüm und wild. Aber auch das findet Mila gut. Jedes Pferd ist auf seine eigene Art besonders.

So lange Mila denken kann wünscht sie sich schon ein eigenes Pferd. Aber Papa sagt immer es wäre noch zu früh. Und so hilft sie ihrem Papa die Pferde auf dem Reiterhof zu verpflegen und hat sogar schon den einen oder anderen Stall alleine ausgemistet.

Heute ist Mila’s siebter Geburtstag. Sie ist total aufgeregt und hofft, endlich ihr eigenes Pferd zu bekommen. Sie steht extra früh auf und weckt ihre Eltern. „Ich bin sieben geworden!“ ruft sie am Fuße des Elternbettes. Die Arme hat sie hoch in die Luft gerissen. Mama und Papa reiben sich nur verschlafen die Augen.

Langsam richtet sich Papa auf: „Oh Spatz, stimmt, du hast Geburtstag. Das hätte ich fast vergessen.“ Mila schaut ihn misstrauisch an: „Hast du gar nicht! Du willst mich nur veräppeln!“ Mila’s Vater lacht: „Du hast mich mal wieder durchschaut! Du bist sehr schlau. Das musst du von deiner Mutter haben.“ Sagt er und gibt der Mama einen Kuss auf die Wange - bevor er aufsteht.

„Iiiih Bähhh.“ prustet Mila und streckt die Zunge Raus. „Macht das wenn ihr allein seid.“ Dann flitzt sie die Treppen runter und ruft: „Jetzt kommt endlich. Zeit für mein Geburtstagsfrühstück!“ Als Mila unten ankommt ist sie verwundert. Normalerweise stehen auf dem Küchentisch immer ihre Geschenke aufgebaut. Aber heute steht sie vor einem leeren Tisch.

„Entschuldigung Schatz!“ sagt Papa, während er die Treppe runterkommt. „Du bist so früh auf, dass wir noch keine Zeit hatten, das Frühstück zu machen.“ Mila sucht mittlerweile unter dem Küchentisch. „Was machst du da Schatz?“ fragt Papa. Da huscht Mila’s Kopf zwischen Tisch und Stuhl nach oben: „Na, was wohl! Wo sind denn meine Geschenke?“

Dann schiebt sie den Stuhl ruckartig zur Seite und springt auf. Freudestrahlend ruft sie ihrem Papa zu: „Ich kriege endlich ein Pferd oder?“ Deshalb sind keine Geschenke hier.“

Der Papa macht die Kaffeemaschine an und dreht sich zu Mila um: „Schatz, du weißt doch…“ Mila unterbricht ihn – sie kennt diesen Ton: „Ja ja, es ist noch zu früh für ein Pferd.“ Der Vater nickt. „Richtig! Es ist noch zu früh. Jetzt Frühstücken wir erst einmal und danach geht es in die Schule. Heute Nachmittag holen wir dann dein Pferd ab.

Mila hat ihrem Vater gar nicht richtig zugehört: „Jedes Mal sagst du es ist noch zu früh. Aber ich kümmere mich um die Pferde und die haben mich alle lieb. Ich bin noch nie geritten, aber habe schon alle Ställe ausgemistet, alle Pferde gestriegelt…“ Mila stoppt und horcht auf: „Hast du gerade gesagt…“ Mila’s Vater nickt. „Du kleines Plappermaul. Ist es jetzt bei dir angekommen?“ fragt er. Aber Mila stürmt schon auf ihn zu und fällt ihm in die Arme. Inzwischen ist auch Mama runtergekommen und umarmt beide. „Hat dein Vater es dir also schon gesagt.“ sagt sie, während sie Mila einen Kuss auf den Kopf gibt.

In der Schule kann sich Mila kaum konzentrieren. Tausend Fragen gehen ihr durch den Kopf. Wie sieht ihr Pferd wohl aus? Wie soll sie auf den Rücken des Pferdes kommen - so klein wie sie ist? Mila kann es kaum erwarten endlich nach Hause zu kommen. Als die Klingel zum Ende der letzten Stunde ertönt, hat sie schon alles gepackt und flitzt los wie ein geölter Blitz.

Zu Hause angekommen rennt sie sofort zu ihrem Vater in den Stall. „Ich bin da. Wir können losfahren.“ Schnauft sie total außer Puste. Sie ist den ganzen Weg gerannt. „Mensch Mila.“ lacht der Vater. „Hol erst mal Luft. Du pumpst ja wie ein Maikäfer.“ Mila muss sich in die Hüfte fassen und leicht in die Knie gehen, um wieder Luft zu holen - so außer Atem ist sie. „Geht schon. Hol du die Schlüssel. Ich warte am Auto.“

Der Papa stellt den Futtersack zur Seite. „Wir brauchen nicht losfahren. Ich hatte heute Vormittag etwas Zeit, da habe ich dein Pony schon geholt.“ Mila steht plötzlich gerade wie eine Eins. Ihr Blick wandert die Ställe ab. Es gibt nur eine Box die seit langem Leer steht. Sofort flitzt Mila wieder los. Aber die Box ist immer noch leer. „Wo ist es?“ ruft sie.

„Das Pony ist auf der großen Weide.“ Antwortet der Vater. Die große Weide. Damit ist die große Blumenwiese oben am Bach gemeint. Mila kann kaum noch laufen. Trotzdem gibt sie alles und sprintet los. Ihr Papa hat Mühe hinterher zu kommen. Auf dem Weg zur Weide überlegt sie. „Papa hat Pony gesagt. Damit bin ich schon mal eine Sorge los.“ Denkt sie und freut sich. „Auf ein Pony sollte ich hinaufkommen.“

Gute Nacht Geschichte - Ein Brillianter Freund - Mila und das Pony

Oben an der Weide bleibt Mila dann wie angewurzelt stehen. Da ist ihr Pony. Endlich! Es sieht aus wie ein geschrumpfter Haflinger. Es hat eine weiße, struppige Mähne, einen weißen, struppigen Schweif und ist am ganzen Körper hellbraun. Nur im Gesicht hat es einen weißen Fleck. Es ist perfekt!

Da kommt Papa mit einem Futterbeutel in der Hand. „Na, wie gefällt es dir?“ fragt er leise. „Es ist perfekt.“ flüstert sie und drückt ihn ganz fest. „Die Blesse im Gesicht ist voll süß.“ Mila zieht eine Mohrrübe aus dem Beutel und lockt ihr Pony damit an. Das Pony schnuppert vorsichtig daran. Die Nüstern gehen dabei ganz weit auf, aber es frisst die Mohrrübe nicht. Stattdessen schnuppert das Pony an Mila’s Papa.

Mila ist enttäuscht: „Hat es keinen Hunger?“ fragt sie ihren Vater. Doch noch im selben Moment schnappt das Pony den Futterbeutel aus der Hand des Vaters. Dann dreht es sich um, und will stiften gehen. Mila lacht laut los.

„Hey du Frechdachs!“ ruft Mila’s Papa und greift schnell nach den Zügeln. Mila ist begeistert: „Hast du das gesehen? Das war ganz schön schlau!“ Mila’s Papa lacht mit: „Natürlich habe ich das gesehen.“ Dann greift er nach dem Futterbeutel und nimmt ihn dem Pony wieder weg. „Aber du hast recht, das war ein brillanter Schachzug!“

Mila schaut ihren Papa an. „Ich glaube, dass hat ihm jetzt nicht so gut gefallen.“ Lacht sie. „Wie heißt mein Pony eigentlich?“ Mila’s Papa bringt den Futterbeutel hinter sich in Sicherheit. „Dein Pony ist ein er. Und er heißt Brilliant.“ Sagt er dann.

Mila strahlt über das ganze Gesicht: „Der Name passt wie Topf auf Deckel!“ „Wie der Deckel auf den Topf, meinst du.“ korrigiert Mila’s Papa. „Ja, das meine ich doch!“ antwortet Mila. „Und jetzt? Lerne ich jetzt endlich Reiten? Soll ich schon mal aufs Pony klettern?“ 

„Nicht so hastig!“ sagt Mila’s Papa. „Auf Brilliant ist noch niemand geritten. Du bist die Erste.“ Mila hüpft vor Freude auf und nieder und klatscht unentwegt in die Hände. Sie ist so glücklich, dass sie es kaum aushält.

Mila’s Papa wird jetzt ernst. „Hör mal meine Kleine. Ein Pferd zuzureiten ist etwas für erfahrene Reiter. Wenn Brilliant sich von Anfang an an dich gewöhnen soll, muss dein neuer Freund lernen, dir voll und ganz zu vertrauen.“

Mila ist jetzt auch wieder ruhiger geworden. „Das verstehe ich Papa.“ Sagt sie. Sie denkt an die anderen Pferde im Stall und daran, wie es war, als sie Karacho zum ersten Mal striegeln sollte. Sie musste ganz behutsam vorgehen. Karacho ist sehr temperamentvoll und er war sehr unruhig; bis er sich an Mila gewöhnt hatte.

Mila geht mit der Mohrrübe langsam auf Brilliant zu. Brilliant tippelt etwas unsicher mit den Hufen hin und her, als überlege er, was er davon halten soll. Aber der Duft der Mohrrübe siegt. Vorsichtig beißt er die Karotte ab. Beim Kauen legt Mila behutsam ihre Hand auf seine Stirn. Brilliant schließt kurz die Augen. Als ob er die Berührung genießt.

Schließlich legt Mila ihre Hand auf seinen Hals. „Ganz ruhig mein Freund.“ Sagt sie und füttert ihn weiter. „Das machst du wirklich gut!“ lobt Mila‘s Papa leise.  Schon nach kurzer Zeit kann Mila ihr Pony am Rücken streicheln. Und dann sogar unter dem Hals hindurch auf die andere Seite schlüpfen, ohne, dass Brilliant zurück-schreckt. Als Belohnung gibt es einen Apfel direkt vom Baum.

Wie sich herausstellt, liebt Brilliant Äpfel. Denn als er den Apfel sieht, fängt er sofort an aufgeregt mit den Hufen zu scharren und zu schnauben. Mila liebt Äpfel auch. Also nimmt Mila den ersten Bissen, und Brilliant bekommt den Rest.

Während Brilliant noch vergnügt am Kauen ist, streichelt Mila wieder seine Stirn und flüstert: „Wir werden die besten Freunde. Stimmt‘s Brilliant? Und beste Freunde teilen alles.“ Brilliant senkt seinen Kopf und Mila legt ihre Wange sanft auf seine Stirn. Brilliant stubst Mila dabei immer wieder leicht an.

Mila’s Papa kann es kaum glauben. Er wollte erst was sagen, als Mila ihre Wange auf Brilliant’s Stirn legte. Dann sah er aber diese Vertrautheit zwischen den Beiden und konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Brilliant Mila jemals etwas tun würde.

Die Sonne steht mittlerweile schon tief und Mila’s Papa ruft ihr zu, dass es schon spät ist. Mila nimmt Brilliant an den Zügeln und führt ihn von der Weide in den Stall. Brilliant trabt Mila den ganzen Weg gelassen hinterher.

Als Brilliant in seiner Box steht, streichelt Papa Mila über die Wange und sagt: „Jetzt gehst du aber schon mal rein Abendbrot essen und dich bettfertig machen, ok? Die Mama wartet bestimmt schon. Und morgen geht’s weiter.“ Mila nickt, drückt ihren Papa und gibt Brilliant noch einen Kuss auf die Stirn: „Schlaf gut mein Freund.“ Flüstert sie und schmiegt sich nochmal an ihn.

Dann läuft sie rein zu Mama und erzählt ihr beim Abendbrot voller Freude von ihrem tollen Tag. Vor dem zu Bett gehen drückt sie ihre Mama nochmal ganz fest und bedankt sich für den wunderbaren Geburtstag. So viel wie Mila heute erlebt hat, da braucht sie nicht einmal eine Gute Nacht Geschichte. Noch ein Küsschen von Mama und dann dreht sie sich um und schläft friedlich ein, während sie davon träumt, wie sie mit Brilliant über die große Blumenwiese reitet. Aber das ist eine andere Geschichte.

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