Die Halloween-Nacht und der kleine Vampir

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Gruselgeschichte für Kinder - Vladi der kleine Vampir

Hoch oben auf einem Hügel steht ein altes Haus. Das Haus ist sehr heruntergekommen, denn der kleine Vladi und seine Familie wohnen schon sehr lange hier. Dieses Halloween sind es genau 200 Jahre. Ja, ihr habt richtig gehört, der kleine Vladi wohnt schon 200 Jahre hier, denn Vladi ist ein Vampir.

Von dem Hügel aus kann er über die ganzen Häuser der lang geschlängelten Straße schauen. Vladi sitzt jeden Tag am Fenster und beobachtet die Kinder. Das ganze Jahr über – Tag ein Tag aus.

Er beobachtet sie auf ihrem Weg zur Schule, beim Spielen und Fahrradfahren, beim Schneemann bauen und rodeln – sie lachen und jauchzen. Einige von den Kindern haben eine Menge Freunde. Vladi hat keinen einzigen Freund. Zumindest keinen menschlichen. Nur eine Spinne und eine Katze leisten ihm Gesellschaft.

Vladi würde so gerne mit den anderen Kindern spielen, aber er darf nicht. Nicht nur das die anderen Kinder Angst vor ihm hätten, denn Vladi ist sehr blass und hat zudem noch spitze Zähne.

Nein, er kann auch nicht. Denn Vladi verträgt kein Sonnenlicht. Das juckt auf der Haut, dass er sich ständig kratzen möchte. Und nachts, wenn die Sonne nicht scheint, liegen die anderen Kinder im Bett und schlafen.

Vladi schläft nie. Das muss er auch nicht, denn er ist ja ein Vampir. Und Vampire schlafen nicht. Ach je, so hat Vladi noch mehr Zeit sich zu langweilen.

Aber einmal im Jahr – zu Halloween – schleicht sich Vladi aus dem Haus. Denn an Halloween sind alle Kinder nachts auf den Straßen und erschrecken sich fröhlich gegenseitig. In gruseligen Kostümen verkleidet laufen die Kinder lachend umher. Da fällt Vladi nicht auf. In dieser einen Nacht läuft auch er mit den anderen Kindern umher.

Heute Nacht ist es wieder soweit. Es ist Halloween. Vladi ist schon ganz aufgeregt. In seinem Schrank hat er eine kleine Stofftüte für die Süßigkeiten versteckt. Bei Anbruch der Nacht holt er sie raus und stürmt zur Tür. Noch einen Blick in den Spiegel – ach ja, das bringt ja nichts. Vladi kann sich im Spiegel ja gar nicht sehen – das ist bei Vampiren so. Da ist es natürlich schwer zu sagen, ob man auch gut ausschaut.

Vladi dreht sich zu seiner Katze um: „Und Klara? Wie sehe ich aus?“ Die Katze miaut fröhlich und schlendert um seine Beine. „Perfekt, wusste ich’s doch.“ sagt Vladi. „Ich bin ein hübscher kleiner Vampir!“ Und dann strahlt er über das ganze Gesicht, bevor er durch die Tür in die Nacht verschwindet.

Auf den Straßen herrscht freudiger Trubel. So viele Kinder in so tollen Kostümen. Da wird Vladi plötzlich von hinten angestubst: „Mensch, das ist ja ein krasses Kostüm!“ hört er eine Mädchenstimme sagen. Vladi dreht sich um. Hinter ihm steht ein Mädchen als Hexe verkleidet.

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„So toll habe ich mein Kostüm nicht hinbekommen.“ sagt sie weiter und zieht an Vladis Hemd. „Das sieht aus, als wäre es schon eine Million Jahre alt.“ Dann will sie Vladi an die Zähne fassen: „Wow, die sehen ja auch richtig echt aus.“ Vladi schreckt zurück und will einen Schritt nach hinten machen. Aber sein Körper ist schneller als seine Beine und so plumpst er auf den Po.

„Entschuldige, das wollte ich nicht!“ sagt das Mädchen und streckt Vladi ihre Hand entgegen. Vladi nimmt die Hand und lässt sich hochhelfen. „Du hast aber kalte Hände. Frierst du?“ fragt das Mädchen. Vladi zieht schnell seine Hand zurück und plumpst wieder auf den Po. Das hatte er ganz vergessen. Vampire sind viel kälter als andere Kinder.

Vladi ist ganz durcheinander. Irgendwas an dem Mädchen bringt ihn dazu unüberlegt und sogar tollpatschig zu sein. Normalerweise würde er nie hinfallen. Dafür ist er viel zu schnell. Denn Vampire sind auch viel schneller und stärker als andere Kinder.

„Warum lässt du los?“ fragt das Mädchen. Aber Vladi antwortet nicht. „Hm, willst du mir nicht antworten?“ fragt sie dann. Aber Vladi bekommt kein Wort heraus. Still und verunsichert steht er auf und schaut das Mädchen mit großen Augen an.

Als Vladi weiterhin keinen Ton von sich gibt, zieht das Mädchen eine Schnute und sie schaut Vladi nachdenklich an: „Hmm, na gut, dann fang ich eben an. Ich bin Lana! Aber heute Nacht bin ich eine Hexe, wie du siehst.“ Lana dreht sich einmal im Kreis, um ihr Kostüm zu zeigen. Dann lacht sie schrill und schauderlich: „Hi hi hi hi hi! Oh, das war doch ein richtig gutes Hexengelächter. Jetzt du!“ sagt Lana, überlegt kurz und sagt dann weiter: „Mir fällt gerade auf, ich weiß gar nicht wie ein Vampir lacht.

Da muss Vladi lachen: „Hu hu huuu.“ Die Lache kam etwas komisch aus Vladis Mund, dass es ihm sofort peinlich ist, dass er gelacht hat. „Nein!“ sagt Lana. „Ich glaube nicht das Vampire so lachen. Ich glaube die lachen eher so wie wir.“

Als Lana das sagt, schaut Vladi sie wieder mit großen Augen an. Er weiß nicht, was er darauf antworten soll. Er kann ja schlecht sagen, dass er ein Vampir ist und deshalb Vampire genauso lachen, wie er es gerade getan hat. Also lächelt er Lana einfach nur an. Dabei luken seine großen Zähne in den Mundwinkeln hervor.

„Das ist ein schönes Lächeln!“ sagt Lana. „Du hast recht. Vampire lächeln bestimmt nur süß.“ Dann stubst sie Vladi an, der ganz verlegen wird: „Los, du toller Vampir, lass uns Süßigkeiten sammeln.“ Und so schiebt sie Vladi vor sich her.

„Hey, ich kann selber laufen.“ sagt Vladi. „Das glaube ich dir, aber so ist es viel lustiger!“ antwortet Lana und schiebt weiter. Beide laufen lachend durch die Straßen. Das sammeln der Süßigkeiten hat Vladi noch nie so viel Spaß gemacht, wie mit Lana. Sie laufen von Tür zu Tür und Vladi’s Beutel wird immer voller. Die Erwachsenen finden Vladi’s Kostüm so toll, dass er immer eine kleine Süßigkeit extra bekommt.

Am letzten Haus der Straße ankommen sagt Lana: „Ich muss nach Hause!“ Das macht Vladi traurig. „Aber wir sehen uns doch bestimmt morgen in der Schule. Du musst mir nur sagen, wer du bist.“

Vladi zögert. Dann sagt er: „Ach, ich bin nicht von hier, weißt du? Wir sind nur zu Besuch wegen Halloween hier.“ Jetzt wird auch Lana traurig. „Das ist echt schade.“ sagt sie. Vladi überlegt. „Aber ich bin nächstes Jahr zu Halloween wieder hier.“ Sagt er dann, um Lana aufzumuntern. „Nächstes Jahr? Das ist echt lang.“ sagt Lana. „Aber ich freue mich trotzdem, dass wir uns wiedersehen.“ Und sie lächelt Vladi an. Vladi lächelt zurück – mit seinen großen Zähnen, die in den Mundwinkeln hervor luken.

Auf dem Weg nach Hause bläst Vladi Trübsaal. Ein ganzes Jahr ist echt lang, denkt er. „So was Blödes.“ murmelt er vor sich hin und tritt einen Stein weg. Der Stein landet vor ein paar großen Jungs, die gerade einen kleinen Jungen in einem Clowns-Kostüm ärgern. „Ich will nach Hause.“ sagt der kleine Junge. Aber einer der großen Jungs lässt ihn nicht vorbei. „Bevor du nach Hause gehst, lässt du uns deine Süßigkeiten hier.“ gibt der große Junge mit einem fiesen Grinsen von sich.

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Na die kommen mir gerade recht, denkt Vladi. „Hey! Hier ihr könnt meine Süßigkeiten haben.“ sagt er und streckt dem großen Jungen seine Süßigkeiten hin. Dann nimmt er die Hand des kleinen Jungen und will ihn nach Hause bringen.

Der große Junge stellt sich ihm jedoch in den Weg. „He, Moment mal. Meinst du, nur weil du uns deine Süßigkeiten gibst, kann der Kleine seine behalten? Ich will seine auch noch.“ Vladi schaut den großen Jungen an: „Lass ihm seine. Du hast meine. Das muss reichen.“ Dann geht er an dem großen Jungen vorbei.

Da greift der große Junge nach Vladi’s Schulter. Blitzschnell dreht sich Vladi um und greift den Arm des großen Jungen. Und zwar so fest, dass der ihn nicht mehr bewegen kann. Dann schaut er ihm in die Augen – Vladi’s Augen fangen an rot zu leuchten. „Ich lasse euch jetzt gehen.“ sagt Vladi. Wie die großen Jungen die leuchtenden Augen sehen, kriegen sie es mit der Angst zu tun und laufen weg.

Aber der kleine Junge ist total begeistert von Vladi: „Boah bist du schnell. Wie hast du das gemacht? Ich habe gar nicht gesehen, wie du dich bewegst. Und so stark. Und die leuchtenden Augen.“

Mit großen Augen steht da ein kleiner Junge vor Vladi. In seinem Blick kann Vladi die Begeisterung sehen. „Ja.“ sagt Vladi. „Ich bin schnell und stark. Aber das werden wir niemandem erzählen, ok?“

Als Vladi hoch schaut, steht Lana vor ihm. Sofort freut er sich Lana zu sehen. Doch dann fällt ihm auf, dass Lana wahrscheinlich alles gesehen hat und er erstarrt. Wäre er nicht schon so blass, würde er jetzt kreidebleich werden.

Der kleine Junge läuft zu ihr und fällt ihr in die Arme: „Lana! Gut das du da bist. Ein paar Jungen wollten mich nicht nach Hause lassen.“ Lana nickt: „Ja Erik, das habe ich gesehen. Geht es dir gut?“ fragt sie. Der kleine Junge strahlt und zeigt auf Vladi: „Ja, mir geht’s spitze. Der da hat die bösen Jungs verjagt.“ Lana schaut Vladi an: „Ja, das hat er.“ Dann schaut sie Erik wieder an: „Mama und Papa suchen dich schon überall. Die sind echt krank vor Sorge.“

Lana’s kleiner Bruder lässt betrübt den Kopf hängen. „Oh je, jetzt krieg ich bestimmt Ärger.“ Dann stellt er sich aber kerzengerade hin und sagt: „Aber die bösen Jungs werden mich bestimmt nie wieder ärgern.“ Lana muss fast lachen, als sie ihren kleinen Bruder so stolz vor sich stehen sieht. Dann schaut sie Vladi an: „Das ist mein kleiner Bruder. Meine Eltern suchen ihn schon.“

Vladi fängt an zu stottern: „La Lana. Ich kann dir das erklären.“ Doch Lana legt ihren Zeigefinger auf ihren Mund. Dann schaut sie zu Erik runter: „He Erik, gehst du bitte kurz da rüber?“ Lana zeigt auf eine Sitzbank. Begeistert ist Erik nicht. Aber er hört trotzdem auf seine große Schwester. Er geht zu der Bank, setzt sich drauf und schaukelt mit den Beinen.

Dann dreht sich Lana wieder zu Vladi um. Für kurze Zeit herrscht eisige Stille. Lana schaut Vladi nur an, sagt aber nichts. Vladi wird immer unruhiger. Dann holt Lana Luft: „Ich frage dich jetzt was und du antwortest ehrlich, ok?“ Vladi nickt. „Bist du…bist du ein echter Vampir?“

Vladi zögert und nickt nochmal. „Aber ich tue niemandem etwas. Diese Jungs wollten deinen Bruder nicht nach Hause lassen und…“ Lana unterbricht Vladi: „Ist schon gut, das glaub ich dir!“

Vladi schaut Lana an: „Hast du jetzt Angst vor mir?“ Lana schüttelt den Kopf: „Quatsch mit Soße! Ich hab doch keine Angst. Ich find‘s klasse! Ich finde Vampire echt toll! Ich dachte nur immer, es gibt keine echten. Und jetzt treffe ich so einen netten Vampir wie dich! Wäre ich nicht als Hexe gegangen, hätte ich mich auch als Vampir verkleidet." Lana stockt kurz. „Ach quatsch. Was rede ich denn da. Du bist ja gar nicht verkleidet - daran muss ich ich mich noch gewöhnen." lächelt sie und redet weiter: „Ich hatte noch nie so ein tolles Halloween wie heute. Und was du für meinen Bruder getan hast ist echt super!“

Vladi schaut auf den Boden. „Ja, aber ich habe dich angelogen. Ich bin von hier.“ Jetzt zeigt er auf das Haus auf dem Hügel. „Da oben wohne ich. Und nur zu Halloween gehe ich raus. Deshalb habe ich dir gesagt, ich würde nur zu Halloween herkommen. Weil sonst die Kinder nachts schlafen und tagsüber kann ich nicht raus, weil ich die Sonne nicht vertrage.“ Jetzt lächelt Lana: „Aber das ist doch toll.“

Vladi ist verwirrt: „Es ist toll, dass ich die Sonne nicht vertrage?“ „Nein.“ Schüttelt Lana den Kopf. „Das nicht.“ Lana verstellt ihre Stimme um streng zu wirken und wedelt mit dem Zeigefinger: „Und auch nicht das du mich angelogen hast. Dass mir das nie wieder vorkommt mein kleiner Vampir.“ Dann bufft sie Vladi in die Seite und beide müssen lachen. „Aber toll ist doch, dass ich dich jetzt jeden Tag besuchen kann.“

Vladi strahl über das ganze Gesicht: „Das würdest du tun?“ Lana bufft Vladi nochmal in die Seite: „Na klar. So viel Spaß wie wir heute hatten, werden wir ab jetzt jeden Tag haben. Und du musst mir alles über Vampire erzählen. Machst du das?“ Vladi kann es kaum fassen. „Na klar mach ich das!“ und er strahlt wieder über das ganze Gesicht. Und seine großen Zähne luken wieder in seinen Mundwinkeln hervor.

Auch Lana strahlt. „Aber jetzt muss ich meinen kleinen Bruder nach Hause bringen. Meine Eltern sind bestimmt schon ganz verrückt vor Sorge.“ sagt sie und gibt Vladi einen Kuss auf die Wange. Da wird Vladi zum ersten Mal in seinem Leben rot.

Sofort zeigt Erik auf Vladi und ruft: „Schau mal Lana. Es geht wieder los. Das was er vorhin mit seinen Augen gemacht hat. Jetzt macht er es mit seinem ganzen Kopf – guck wie rot der schon ist.“ Und Lana lacht: „Nein Erik, komm jetzt.“ Sie wirft noch einen letzten Blick zu Vladi, der verschämt nach unten schaut und winkt.

Vladi spaziert glücklich nach Hause. Endlich hat er eine Freundin, die das ganze Jahr über mit ihm spielt. Das war das beste Halloween seit 200 Jahren!

Autor: Jens Pätz

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