Der Keller des Grauens

Halloween Special

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Es ist nicht mehr lange bis Halloween und im Hause der Stapelmeiers laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Papa Stapelmeier hat schon die komplette Halloween Dekoration aus dem Keller geholt. Dabei hat der kleine Tobi Stapelmeier nur verstohlen zugeschaut.

Versteht das nicht falsch. Tobi ist nicht faul. Und er ist auch kein Halloween-Muffel. Ganz im Gegenteil. Tobi freut sich schon riesig auf Halloween. Aber der Keller ist ihm einfach unheimlich. Da unten gibt es nur eine Lampe und die ist meistens kaputt. Papa Stapelmeier sagt, das läge an den alten Stromleitungen. Aber der kleine Tobi ist sich sicher: Da unten spukt es!

In der Küche ist Papa Stapelmeier jetzt gerade mächtig beschäftigt. Er macht einen Probelauf für seinen berühmt-berüchtigten Kürbiskuchen. Die Nachbarn nennen ihn immer nur den Gruselkuchen - weil das Gebäck immer so schaurig ausschaut.

Mama Stapelmeier ist im Wohnzimmer und durchforstet derweilen die Kartons mit der Dekoration. Wie jedes Jahr, müssen alle Lichterketten auf Funktion geprüft werden. Denn Mama Stapelmeier legt großen Wert auf Sicherheit. Sie sagt, wenn nur eine Lampe in der Kette kaputt ist, dann könnten die übrigen Lämpchen zu heiß werden. Und das kann böse Folgen haben. Also leuchtet in der Vorzeit zu Halloween das Wohnzimmer der Stapelmeiers alle paar Minuten hell auf. Dann wird es wieder dunkel und man hört Mama Stapelmeier rufen: „Aha! Funktioniert noch!“

Tobi saust an seiner Mutter vorbei und rauscht in die Küche rein, wo Papa Stapelmeier gerade alle Zutaten sortiert, die er für seinen – Gruselkuchen – braucht. „Ich gehe dieses Jahr als furchtbar entsetzlich grausiger Zombie!“ ruft er voller Vorfreude. Er hebt beide Arme hoch in die Luft und fängt an komisch zu laufen, während er „Uuuuaaaaah.“ stöhnt.

Papa Stapelmeier scheint - trotz des spektakulären Auftritts des kleinen „möchte-gern“ Zombies - von dieser Idee nicht so begeistert zu sein. „Hast du das schon deiner Mutter erzählt?“ fragt er höhnisch. Was so viel bedeutet wie: Deine Mutter wird es sowieso nicht erlauben.

Vom Fleck weg fängt Tobi an zu nörgeln. „Och, männo!“ ruft er enttäuscht und lässt die Arme fallen. „Kannst du nicht mal mit Mama reden?“ fragt er dann kleinlaut. Doch Papa Stapelmeiers Antwort ist dieselbe wie immer. Er schüttelt mit dem Kopf und sagt: „In diesem Haus wird niemand überredet. Das weißt du genau! Entweder sind sich alle einig - oder eben nicht.“

Tobi schlurft zur Tür: „Ja, weiß ich!“ Sagt er genervt und will in sein Zimmer gehen – Trübsal blasen. Da ruft Papa Stapelmeier dem kleinen „Nörgel-Schlurfer“ hinterher: „Warte mal!“ Tobi dreht sich strahlend um: „Ja? Was ist denn?“ fragt er erwartungsvoll und hofft, dass sein Papa seine Meinung geändert hat. Doch Papa Stapelmeier hat etwas ganz anderes im Sinn. „Mir fehlt noch Mehl! Wenn du eh schon zur Tür schlurfst, dann kannst du mir auch gleich ein Päckchen aus dem Keller holen.“ Sagt er. Und wieder lässt Tobi enttäuscht die Arme hängen. Er verdreht die Augen und will gerade seinem Unmut kund tun, als ihm auffällt, was sein Papa da gerade gesagt hat. „Aus dem Keller?“ ruft er erschrocken.

Papa Stapelmeier weiß sofort woher der Wind weht. „Ja, aus dem Keller.“ Antwortet er und fängt an zu lächeln. „Mehl wächst leider noch nicht auf Bäumen. Und im Keller gibt es nichts wovor du Angst haben musst – du furchtbar entsetzlich grausiger Zombie.“ Da wird Tobi schnippisch: „Angst? Ich habe doch keine Angst!“ sagt er so überzeugend wie möglich und marschiert in kleinen Schritten los.

Als er an der offenen Kellertür steht, muss er schlucken. Nach unten führt diese ewig lange Treppe in den dunklen und kalten Keller. Oder wie Tobi den Keller nennt: „Hotel Spukula.“

Tür die in den Keller führt. Blick auf lange Treppe hinunter mit Licht am Ende. Aus der Gruselgeschichte der Keller des Grauens; Autor: Jens Pätz; Website: schlummerienchen.de

Doch was soll’s. Zeit schinden bringt nichts! Schnell macht er das Licht an. Doch das bewirkt auf der langen Treppe, hinunter zu Hotel Spukula, leider so gut wie gar nichts. Tobi stoppt wieder. „Das kann doch nicht sein!“ denkt er. „Da unten brennt ein klitzekleines Lämpchen, das gerade mal so viel Licht wie eine Kerze macht. Während unser Wohnzimmer – oder besser gesagt – unser Lichterketten-Test-Raum so hell wie die Sonne strahlt!“

Vorsichtig traut sich Tobi auf die Stufen der Kellertreppe. Eine nach der Anderen, denkt er sich. Da unten gibt es nichts, wovor ich Angst haben müsste. Da knarrt die alte Holztreppe unter seinen Füßen und der tapfere Tobi bleibt ruckartig stehen. „Oh, man, muss das jetzt so knarren?“ murmelt er leise. Dann geht er mutig weiter. Unten angekommen schaut er sich behutsam um. „Ok, nichts komisches zu sehen.“, denkt er und hält Ausschau nach dem Mehl. Dabei bleibt er aber fest auf einer Stelle stehen – denn sicher ist sicher!

 „Aha! Gefunden!“ ruft er. Das Mehl steht im Regal gegenüber. Schnell flitzt er los. Da fängt die Glühbirne plötzlich an zu flackern. „Nein, nein, nein, bitte nicht jetzt!“ flüstert er und schaut zur Lampe hoch. Still und starr steht er da und beobachtet das zitternde Licht. Dann fasst er einen Entschluss. Jetzt muss alles schnell gehen, bevor das Licht ausgeht. Hastig greift er nach der Mehlpackung. Im Umdrehen reißt das Päckchen. Das Mehl wirbelt durch die Luft. Gleichzeitig knallt es und Tobi schreit los. Die Glühbirne ist tatsächlich durchgebrannt und jetzt steht der arme Tropf im dunklen Keller und wagt keinen Schritt mehr.

Oben an der Kellertreppe hört man es rumpeln. Papa und Mama Stapelmeier haben Tobis Schrei vernommen und eilen zur Rettung. Als Tobi das hört, fasst er neuen Mut und will zur Treppe laufen. Da hält ihn etwas am Fuß fest. Sofort fängt er lautstark an zu brüllen: „Lass mich los! Lass mich los!“ ruft er.

Papa Stapelmeier ist schon auf der Treppe und hört Tobi im Dunkeln kreischen. „Ach, da ist doch nichts Tobi! Beruhige dich! Ich bin gleich da.“ Ruft er zurück, während er nervös die Treppe hinunter poltert. Unten angekommen sieht auch Papa Stapelmeier die Hand vor Augen nicht. Er kann Tobi aber im Dunkeln ertasten. „Ich bin hier. Ganz ruhig. Ich drehe nur schnell eine neue Glühbirne rein.“ Sagt er und will sich weiter vorantasten. Doch Tobi hält ihn fest. „Warte mal Papa, da hat mich was. Papa da ist ein Monster an meinem Fuß!“ ruft der kleine Tobi aufgeregt. „Ach was.“ Zischt Papa Stapelmeier zurück. „Jetzt beruhige dich doch mal! Du wirst gleich sehen, dass es hier nichts gibt, wovor du Angst haben musst.“

Mama Stapelmeier ist mittlerweile auch an der Kellertreppe angekommen. Aber Papa Stapelmeier ruft ihr zu, sie solle stehen bleiben. Nicht, dass sie in der Eile noch die Treppe hinunterpurzelt. Im Dunkeln des Kellers tastet Papa Stapelmeier nun nach dem Vorratsschrank und fingert tatsächlich im Dunkeln eine Glühbirne heraus – was für eine Leistung!

Beim Eindrehen der neuen Glühbirne redet er um Tobi zu beruhigen. „Bleib ganz ruhig - mein Großer! Du wirst gleich sehen, hier gibt es nichts, wovor du…“ In diesem Moment geht das Licht wieder an und als nächstes schallt ein heller Schrei durch den Keller. „Was ist los?“ ruft Mama Stapelmeier. „Was ist da unten für eine Frau?“ Sie rauscht die Treppe hinunter.

Unten sieht sie Papa Stapelmeier vor einem schneeweißen Jungen stehen. Auch Mama Stapelmeier muss zwei Mal hinschauen. Es ist Tobi, der von Kopf bis Fuß mit Mehl bestäubt ist. Papa Stapelmeier hat immer noch die Hand an der Brust und schimpft jetzt los wie ein Rohrspatz: „Du hast mich zu Tode erschreckt, Junge!“ Und so dunkel der Keller auch eben noch war, jetzt muss Tobi lachen. „Wie siehst du denn aus?“ fragt Mama Stapelmeier und schaut sich hektisch um. „Wo ist die Frau?“ fragt sie und Tobi antwortet kichernd: „Der helle Schrei, das war Papa.“

Mama Stapelmeier kann es nicht fassen. „Du warst das?“ fragt sie mit erstauntem Gesicht. „Mein liebes Donner-Lottchen. Das war aber grell. Hast du jetzt etwa auch Angst im Dunkeln?“ „Ha, ha!“ antwortet Papa Stapelmeier. „Ich möchte dich mal sehen, wenn da plötzlich so ein bleicher Junge steht.“

Tobi kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus. „Du brauchst gar nicht so frech zu Grinsen.“ Sagt Mama Stapelmeier zum kleinen Tobi und klopft ihm das Mehl aus den Klamotten. „Du hast dich komplett eingesaut und geschrien hast du auch wie am Spieß!“ Sofort fängt Tobi an, sich zu rechtfertigen: „Ja, aber nur weil es dunkel wurde. Und dann hat mich ein echtes Monster am Fuß festgehalten.“ Sagt er. Jetzt muss auch Mama Stapelmeier lachen. „Echtes Monster, hm?“  hakt sie nach und fasst an Tobis Füße. Dort liegt der Gartenschlauch, in dem Tobi sich im Dunkeln offensichtlich verheddert hat.

„Ja, aber…“ sagt Tobi und Papa Stapelmeier grinst. „Schluss jetzt, ihr zwei Helden!“ mischt sich Mama Stapelmeier ein. Und zwar so ernst wie möglich - obwohl sie doch innerlich schmunzeln muss. „Held Nummer eins geht jetzt den Gruselkuchen machen, während Held Nummer zwei in die Badewanne springt. Aber: zack zack, jetzt.“

Nach Mama Stapelmeiers gut gemeinter Ansage, lassen Papa Stapelmeier und der gepuderte Tobi sofort die Köpfe hängen. „Ja, Mama!“ antwortet Tobi. „Ja, Schatz!“ antwortet Papa Stapelmeier. Dann marschieren beide gleichzeitig los. Mama Stapelmeier geht mit einem Lächeln hinterher. „Meine zwei tapferen Männer.“ Murmelt sie. „Na, dass kann ja was werden - zu Halloween! Ei jei jei…“

Autor: Jens Pätz

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