Das Weihnachtliche Kuddel Muddel

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Weihnachtsgeschichte - Das Weihnachtliche Kuddel Muddel - Autor: Jens Pätz - Cover Bild mit Weihnachtsmann, Weihnachtsbaum und Rentier

Oh, wie schön, es Weihnachtet wieder. Die ganze Stadt duftet nach Gebäck und alle Häuser, Geschäfte und Schulen sind weihnachtlich geschmückt. Alle Menschen sind in Weihnachtsstimmung und jeder ist ein bisschen netter als sonst. Jeder, außer Emilias Kunstlehrer. Der kann Weihnachten nämlich nicht ausstehen. Warum, das weiß niemand so genau. Aber, was für einen Vampir der Knoblauch ist, ist für Herrn Kuddel die Weihnachtsstimmung. Und momentan sind alle in Weihnachtsstimmung - was Herrn Kuddel mehr als nur nervt.

Zu seinem Leidwesen ist auch noch seit kurzem eine neue Vertretungslehrerin an der Schule – Frau Engelbert. Die schmückt gerade mit liebevoller Hingabe und jeder Menge Tannenzweige die Klassenzimmer. Als Frau Engelbert nun auch noch den Kunstraum betritt, läuft Herr Kuddel nicht nur rot, sondern schon dunkelrot an. Man könnte meinen, er hilft beim Schmücken, indem er sich in den Weihnachtsmann verwandelt. Aber weit gefehlt! Herr Kuddel ist kurz vorm Explodieren. Als sich Frau Engelbert mit den Tannenzweigen nähert, fuchtelt Herr Kuddel aufgeregt mit den Händen in der Luft herum: „Frau Engelbert!“ ruft Herr Kuddel. „Sie verlassen auf der Stelle meinen Kunstraum - mit diesem Gedöns!“ Noch bevor Frau Engelbert weiß, wie ihr geschieht, schiebt Herr Kuddel sie wieder rückwärts aus dem Kunstraum hinaus.

Als Emilia das beobachtet, wird sie unsicher. Denn die Kinder haben heute in Kunst die Aufgabe erhalten, etwas zu malen, was ihnen am Herzen liegt. Da Emilia die Weihnachtszeit über alles liebt, ist sie gerade dabei einen Weihnachtsbaum zu malen. Jeder, der Herrn Kuddel besser kennt, wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, etwas weihnachtliches zu wählen. Aber Emilia ist auch erst seit kurzem an der Schule. Ihr Papa hat einen neuen Arbeitsplatz bekommen und deswegen mussten sie umziehen. Also wusste Emilia nichts von dem jährlichen Weihnachtsspektakel mit Herrn Kuddel und versucht nun, das Bild unauffällig verschwinden zu lassen. Da schallt es durch den Raum und Emilia zuckt zusammen. „Emilia! Was machst du da?“ brüllt Herr Kuddel, immer noch wütend über Frau Engelbert und stapft hektisch an Emilias Platz. Neugierig reißt er ihr das Papier aus der Hand: „Ein Weihnachtsbaum?“ quietscht er und schnauft vor Wut. „Nur weil du neu bist, kannst du hier nicht machen was du willst. Dein Vater ist doch der neue Hausmeister, nicht wahr?“ Emilia schaut ängstlich nach oben: „Haustechniker.“ Flüstert sie. „Mein Vater ist der neue Haustechniker.“ Da schnappt Herr Kuddel ihre Hand und rennt los: „Unterstehe dich, mich zu verbessern! Mal sehen, was dein Vater dazu sagt.“ Ruft er, während er Emilia hinter sich her zieht. Emilias kurze Beinchen müssen sich ganz schön beeilen, um nicht ins Stolpern zu geraten. Da sieht sie plötzlich etwas Komisches am Fenster. Aber dann hat Herr Kuddel sie auch schon zur Tür hinaus gezogen. Sie hätte schwören können, dass da ein kleiner Kopf mit Zipfelmütze war.

Weihnachtswichtel Kasi am Klassenfenster

Auf dem Flur sieht Herr Kuddel Emilias Vater am Sicherungskasten stehen. „Herr Lübke!“ ruft Herr Kuddel. „Schön, dass ich sie hier treffe. Sie sind doch der neue Hausmeister und Vater von Emilia, nicht wahr?“ „Haustechniker.“ Widerspricht Emilias Vater. „Wie bitte?“ fragt Herr Kuddel und Emilias Vater antwortet erneut: „Haustechniker. Es heißt Haustechniker.“ Emilia hält sich die Hand vor den Mund, weil sie kichern muss. Herr Kuddel bemerkt das natürlich und spricht schnell weiter, bevor es peinlich für ihn werden könnte: „Gehupft wie gesprungen. Es geht um das unzumutbare Benehmen ihrer Tochter mir gegenüber. Sie sollten das Kind strenger erziehen. Kinder brauchen heutzutage eine harte Hand.“ Emilias Papa kratzt sich am Kopf: „Ok. Was hat sie denn gemacht?“ Da winkt Herr Kuddel plötzlich hektisch mit dem Zeigefinger, schüttelt den Kopf und macht komische Geräusche: „T t t t t t t! Das tut hier nichts zur Sache!“

Da stößt Frau Engelbert zu dem Gespräch dazu: „Also, entschuldigen Sie bitte, Herr Kuddel, aber ich denke schon, dass sie Emilias Vater darüber informieren müssen, was Emilia angestellt hat.“ Wieder läuft Herr Kuddel rot an: „Frau Engelbert! Das geht sie nun wirklich gar nichts an!“ Dann sieht er wieder die Tannenzweige in Frau Engelberts Händen und stolpert holprig davon. Dabei schwingt er wieder seinen Zeigefinger und ruft: „Gehen sie mir mit ihrem Gedöns weg. Und: Herr Lübke, ich behalte ihre Tochter im Auge!“ Dann rümpft er die Nase und zieht ruckartig das Kinn nach oben. Dabei stolpert er fasst über einen Buchsbaum, der im Gang steht und Emilia muss wieder kichern. „Eine Frechheit ist das!“ hört man Herrn Kuddel noch rufen, obwohl man ihn schon gar nicht mehr sieht.

Emilias Vater ist verwirrt: „Was war denn das?“ fragt er. Frau Engelbert beruhigt ihn: „Ach, keine Sorge! Ich bin ja selbst noch nicht lange hier, aber die Kollegen haben mich schon vorgewarnt. Herr Kuddel wird wohl jedes Jahr um die Weihnachtszeit etwas merkwürdig. Im Lehrerzimmer sprechen alle nur Scherzhaft vom - Kuddel-Muddel - mit Herrn Kuddel zur Weihnachtszeit. “ Emilias Papa guckt erstaunt: „Aha.“ Dann schaut er Emilia an: „Und was hast du angestellt?“ „Nichts!“ antwortet Emilia. „Ich habe einen Weihnachtsbaum gemalt. Und jetzt kriege ich bestimmt noch Ärger deswegen.“ Aber Frau Engelbert beugt sich zu Emilia hinunter und streicht ihr über die Wange: „Nein, meine Süße. Vertrau mir. Ich kümmere mich darum.“

Emilia findet Frau Engelbert klasse. Sie strahlt immer so und ist immer fröhlich und hilfsbereit. Genau so stellt sich Emilia ihre Mama vor. Emilia kennt nämlich ihre Mama nicht. Seit sie denken kann wächst sie allein bei ihrem Papa auf. Ach, wenn Frau Engelbert und ihr Papa doch nur ein Paar sein könnten, denkt Emilia und seufzt. Aber das bleibt wohl nur ein Wunsch.

Während Emilia noch im Flur der Schule steht und träumt, geht es weit weg schon sehr hektisch zu. Denn es ist Endspurt im Winterwunderland und Emilia hatte richtig gesehen. Da war ein kleiner Kopf mit einer roten Zipfelmütze am Klassenfenster und das war kein Kind. Nein, das war ein Weihnachtself oder auch Weihnachtswichtel genannt. Das sind quasi die Augen und Ohren des Weihnachtsmannes. Sie kriegen immer und überall mit, welches Kind artig ist und welches nicht.

Aber was hat der Weihnachtswichtel an der Schule gemacht? Emilia beobachtet? Richtig! Denn Emilia soll dieses Jahr eine ganz besondere Weihnacht erleben. Dabei ist dem Elf aber auch Herr Kuddel aufgefallen und das will er nun dem Oberelfen Cornelius mitteilen. Doch der nimmt gerade am jährlichen Geschenke-Lauf teil. Das ist ein riesen Spektakel im Weihnachtswunderland. Dabei muss ein Geschenk auf dem Kopf balanciert werden, während man so schnell wie möglich einmal um die Spielzeugfabrik rennt. Das Geschenk darf dabei natürlich nicht herunterfallen. Dem Gewinner winken warme Milch und Pralinen.

Weihnachtself Cornelius beim Geschenke-Lauf

Cornelius scheint dieses Jahr die Nase vorn zu haben und so feuert Kasi, der Elf mit den Kuddel-Muddel-Nachrichten erst einmal Cornelius beim Lauf an. Mit wackligen Schritten tippelt Cornelius mittlerweile nervös auf die Ziellinie zu. Der Sieg scheint sicher - doch was ist das? Oh oh, da liegt ein Eisklumpen im Weg. Cornelius muss ausweichen und dafür seine Bahn verlassen. Das Geschenk auf dem Kopf fängt an zu rutschen. Na, wenn das mal nicht schief geht! Kasi kann gar nicht hinschauen. Doch ein gekonnter Ausfallschritt des Oberelfen fängt das Paket ab und sichert ihm den Sieg. Schnell läuft er noch zum magischen Weihnachtssack und wirft das Geschenk hinein, bevor er sich ordentlich feiern lässt.

Um den Sack herum schleicht schon wieder der Neugier-Wichtel. Na, der wird doch wohl nicht in den Sack hineingehen. „Es gibt so viele Kinder auf der Welt und alle wollen beschenkt werden. Aber wie passen so viele Geschenke in einen einzigen Sack?“ fragt sich der Neugier-Wichtel. Nein, er hält es nicht mehr länger aus und spaziert tatsächlich in den Sack hinein. Zum Glück hat ihn Cornelius dabei noch gesehen. Denn im Sack ist so riesig viel Platz, dass man sich schnell zwischen den ganzen Geschenken verläuft. Sofort holt Cornelius den Weihnachtsmann und der muss den armen Neugier-Wichtel höchst persönlich wieder herausholen. Ein böser Blick des Weihnachtsmannes genügt und der Neugier-Wichtel hat verstanden. Er gelobt feierlich nie wieder in den Sack zu gehen. Damit ist die Sache erledigt!

In der ganzen Aufregung sind aber die wichtigen Nachrichten an Cornelius - über Herrn Kuddel - untergegangen. Normalerweise ist Kasi ein guter Wichtel, doch manchmal ist er auch ein wenig vergesslich. Gut, dass Cornelius vor Weihnachten alle Wichtel nochmal fragt, ob es etwas Neues gibt. So berichtet Kasi doch noch von dem Weihnachtsmuffel - Herrn Kuddel - an Emilias Schule.

„Ein Lehrer der Weihnachten gar nicht ausstehen kann? So gar nicht, gar nicht?“ das kommt dem Oberelfen verdächtig vor und er prüft die Weihnachtslisten in der Wichtelbibliothek. „Au Backe!“ ruft er plötzlich. Und eilt zum Weihnachtsmann. „Hey, nicht so schnell!“ ruft dieser mit vollem Mund, als Cornelius um die Ecke rutscht. „Wir haben ein Problem.“ Sagt Cornelius außer Atem und erzählt dem Weihnachtsmann von Herrn Kuddel – genauer gesagt von Norbert Kuddel oder auch Berti, wie ihn seine Eltern nannten. „Das ist ja seltsam!“ sagt der Weihnachtsmann und wischt sich die Kekskrümel aus dem Bart.

Doch dann erzählt Cornelius dem Weihnachtsmann, dass der kleine Berti jahrelang zu Weihnachten vergessen wurde. Der Weihnachtswichtel, der für den kleinen Berti zuständig war, war ein ganz fauler Wichtel, der immer nur seine Späßchen trieb. Aber die vielen Briefe des kleinen Jungen an den Weihnachtsmann hat er nie überbracht. Als dann ein neuer Wichtel für den kleinen Berti eingeteilt wurde, hatte dieser die Briefe eines anderen kleinen Jungen überbracht, weil ihn der faule Wichtel nicht richtig eingearbeitet hatte. Dann dauerte es nicht mehr lange und der kleine Berti war erwachsen geworden und erschien nicht mehr im großen Kinderweihnachtsbuch. Und durch die Aufregung um den Neugier-Wichtel heute, wäre Herr Kuddel beinahe schon wieder vergessen worden.

„Oh je!“ sagt der Weihnachtsmann und nimmt einen kräftigen Schluck von seiner Milch. „Was für ein Kuddel Muddel!“ Dann fasst er in seinen Bart und tuschelt vor sich hin: „Bei meinem Barte, das ist wahrlich noch nie passiert. Der arme Herr Kuddel.“ In Gedanken versunken greift der Weihnachtsmann nach einem neuen Keks und knuspert mit halbvollem Mund weiter vor sich hin: „Kein Wunder, dass er Weihnachten nicht mag.“ Dann spült er den Keks wieder mit einem kräftigen Schluck Milch hinunter und ruft: „Aber, das werden wir dieses Jahr ändern!“

Cornelius schaut den Weihnachtsmann an: „Nichts für ungut Santa, aber wolltest du nicht weniger Kekse und Milch essen? Na, du weißt schon, wegen…“ druckst Cornelius herum und zeigt dann stumm auf den Bauch. Aber Santa packt sich an den mächtigen Gürtel und sagt „Ach, da geht noch was. Wichtiger ist jetzt Herr Kuddel. Ich will, dass ihr noch schnell alle Geschenke macht, die der kleine Berti über die Jahre hätte bekommen sollen.“ „Alle?“ fragt Cornelius und der Weihnachtsmann lacht laut: „Ho, ho, ho, ja, alle! Das wird ein Weihnachtsfest, das er nie vergessen wird.“

Ein paar Tage später ist Weihnachten und die Elfen haben den Weihnachtsschlitten voll bepackt. Die Rentiere sind angespannt und die wilde Fahrt könnte jetzt losgehen. Wenn da nicht der Neugier-Wichtel wäre. Alle Wichtel stehen bereit, um den Weihnachtsmann zu verabschieden. Nur der Neugier-Wichtel schüttelt noch voller Neugier eifrig an einem Päckchen herum.

Der Neugier-Wichtel schüttelt ein Geschenk am Schlitten des Weihnachtsmannes

Genervt nimmt Cornelius ihm das Päckchen ab und wirft es in den Weihnachtssack. „So, jetzt aber hurtig!“ ruft der Weihnachtsmann. Ein Ruck an den Zügeln und der Schlitten saust mit Karacho zum Himmel hinauf. „Ho, ho, ho – Frohe Weihnachten“ hallt es durch die Nacht und der Weihnachtsmann ist fast schon weg, als Cornelius in der Ferne einige Geschenke vom Schlitten purzeln sieht. Sofort geht der Neugier-Wichtel stiften. Da hat er doch tatsächlich ein Loch in den Sack geschnitten, um an die Geschenke zu kommen. So ein neugieriger Frechdachs! Au, das wird Ärger geben, wenn der Weihnachtsmann wieder da ist. Aber jetzt gibt Cornelius erst mal dem Weihnachtsmann über den Weihnachtsfunk Bescheid. Dieser bemerkt jetzt auch die fallenden Geschenke und den Riss im Sack. Natürlich weiß der Weihnachtsmann sofort wer das war.

Jetzt sagt ihr bestimmt: „Oh je, oh je! Alle Geschenke fallen raus. Weihnachten fällt dieses Jahr aus!“ Aber ich kann euch beruhigen. Was wäre der Weihnachtsmann ohne ein bisschen Weihnachtsmagie? Einmal mit den Fingerspitzen gewackelt und alle Geschenke fliegen zurück in den Sack. Mit leuchtender Nadel und Zwirn wird der Sack wie von Zauberhand wieder zugenäht und die Weihnachts-Paket-Geschenke-Post kann weitergehen bei Schnee und Frost.

Das Haus von Herrn Kuddel ist schon von weitem gut zu erkennen. Denn trotz Heiligabend ist es duster in dem Haus und es ist natürlich auch das einzige Haus ohne Weihnachtsschmuck. Voll bepackt landet der Weihnachtsmann auf dem Dach. Er freut sich schon riesig - die vielen Geschenke aufzubauen. Sogar einen komplett geschmückten Weihnachtsbaum hat er in seinem Sack dabei. Über den Weihnachtsfunk meldet er sich bei Cornelius: „Ich bin jetzt bei Berti auf dem Dach. Danach geht es noch zu Emilia und dann sind alle Geschenke verteilt – Weihnachtsmann Ende.“ Dann hört man ein Rauschen und danach Cornelius Stimme: „Wunderbar! Das hat ja schnell geklappt dieses Jahr. Ich halte hier die Stellung bis du wieder da bist – Cornelius Ende.“

Mit Sack und Pack und ordentlich Schwung springt der Weihnachtsmann kopfüber in den Kamin. Doch was ist das? Ruckartig bleibt er stecken. Die Füße zappeln draußen und der Rest steckt im Kamin fest. Ach hätte er doch den letzten Keks nicht gegessen. Cornelius hatte wohl doch recht – der Bauch ist zu voll. Na gut, etwas Weihnachtsmagie und es wird schon passen. Aber falsch gedacht. Der Weihnachtsmann klemmt so unglücklich im Kamin fest, dass er seine Finger nicht bewegen kann.

Ein Weihnachtsmann steckt kopfüber im Kamin fest

Jetzt ist guter Rat teuer! Die vielen tollen Geschenke. Da muss es doch eine Lösung geben. „Moment mal.“ Flüstert der Weihnachtsmann. „Das Funkgerät habe ich doch in meinen Gürtel gesteckt.“ Dann atmet er tief ein und das Funkgerät wird gegen den Kamin gepresst. Man hört ein Rauschen. „Ha ha!“ lacht der Weihnachtsmann. „Funkknopf erwischt! Cornelius, bitte kommen. Ich hänge im Kamin fest. Und bevor du jetzt irgendetwas sagst, ja, du hast Recht gehabt und ja, ich werde weniger Kekse essen. Aber jetzt wähle bitte schnell die Notleitung zum Weihnachtsengel – ich brauche Hilfe!“

Cornelius bestätigt mit vollem Mund: „Alles klar, das Christkind ist alarmiert und auf dem Weg! Cornelius Ende.“ Da meldet sich der Weihnachtsmann nochmal: „Isst du da gerade meine Kekse? Weihnachtsmann Ende.“ Und Cornelius antwortet: „Na sicher! Du brauchst sie doch eh nicht mehr. Cornelius Ende und aus.“

Der kleine Engel trifft schnell am Haus von Herrn Kuddel ein. Den Weihnachtsmann zu befreien ist aber nicht so einfach. Der steckt nämlich ganz schön fest. Deshalb schnappt sich das Christkind erst mal den Sack und schmückt das Wohnzimmer von Herrn Kuddel, bevor dieser aufwacht. Während das Christkind schmückt, ist das Haus auf magische Weise in einen wunderschönen tiefblauen Nachthimmel gehüllt. Der Weihnachtsbaum wird aufgestellt, Geschenke verteilt und die Spitze des Baumes darf auch nicht fehlen. Perfekt!

Das Christkind (Weihnachtsengel) schmückt einen Tannenbaum

Da hört das Christkind Geräusche aus dem Schlafzimmer. Was ist das? Ist Herr Kuddel schon so früh wach? Jetzt aber schnell zurück aufs Dach und den Weihnachtsmann befreien. Kaum ist der kleine Engel auf dem Dach, hört man Herrn Kuddel schreien: „Was ist das denn für ein Blödsinn?“ Herr Kuddel reibt sich die Augen. „Ist das ein Streich?“ Ruft er und schaut dabei ruckartig links und rechts. Aber es ist niemand zu sehen. Dann greift er sich ans Kinn: „Hm. Merkwürdig.“ Flüstert er und schaut sich nochmal vorsichtig um, als wolle er prüfen, ob ihn jemand beobachten könnte. Niemand zu sehen! Schnell greift er sich ein Geschenk, hält sein Ohr dran und schüttelt es durch. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Dann schüttelt er nochmal. Noch ein Lächeln, dann bricht ein Lachen aus ihm heraus: „Ha ha.“ Sofort hört er wieder auf zu Lachen, bleibt ganz still stehen und schaut sich noch einmal vorsichtig um – Niemand zu sehen! Ruckartig fängt er wieder an zu Schütteln und zu Lachen. Dann reißt er das Papier auf und seine Augen werden immer größer und sein Lachen immer lauter: „Die Ran Rancho Holzeisenbahn, die ich als Kind immer haben wollte. Juhuu!“ Ruft er. Mit der Eisenbahn in der Hand rennt er durch die Stube und macht Geräusche wie eine Dampflock: „Isch usch isch usch, huh huuuuuh!“

Da hört er plötzlich ein Rumpeln vom Dach und erschrickt. „Der Weihnachtsmann?“ denkt er sofort und läuft aus dem Haus. Doch das Christkind war schnell genug - den Weihnachtsmann zu befreien -, bevor Herr Kuddel ihn sehen konnte. Auch wenn Herr Kuddel der Meinung ist in der Ferne noch ganz klein einen Schlitten am Himmel zu sehen. Konzentriert kneift er seine Augen zusammen um den Blick zu schärfen. Da erschreckt ihn plötzlich ein Nachbar: „Guten Morgen Herr Kuddel! Was ist das, ein Weihnachtsgeschenk? Oh, so eine Bahn wollte ich als Kind auch immer haben.“ Sofort versteckt Herr Kuddel die Bahn unter seinem Morgenmantel, verpasst dem Nachbarn einen bösen Blick und läuft zurück ins Haus. Vom Haus aus lugt er nochmal durch den Türspalt, bevor er die Tür zuknallt. Zurück lässt Herr Kuddel einen verwunderten Nachbarn, der in seinem Vorgarten steht und sich am Kopf kratzt. Im Haus ist die Freude ungebrochen! Herr Kuddel tanzt wie ein kleiner Schneekönig um seinen unerwarteten Weihnachtsbaum und schüttelt ein Geschenk nach dem nächsten durch.

Ach wie schön, dass das alles noch geklappt hat. Und so endet eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte von einem Weihnachtsmuffel, der nun endlich auch von der Magie der Weihnacht verzaubert wurde.

Wie bitte? Die Geschichte ist noch nicht vorbei? Na, aber, was sollte denn da noch fehlen? Ach so, der Weihnachtsmann steckte ja fest. Und ihr glaubt jetzt Emilia hatte kein schönes Weihnachtsfest? Nun, da kann ich euch beruhigen. Der Weihnachtsmann wollte nur noch einmal bei Emilia vorbeischauen, um nach dem Rechten zu sehen. Ihren größten Wunsch hatte er schon lange erfüllt.

Am Heiligabend schmückte Emilia gerade das Wohnzimmer, das immer noch ein wenig trist aussah. Denn auch, wenn Emilias Vater voller Tatendrang war, hatte er doch kein Händchen dafür, das Haus zu schmücken. Da klingelte es plötzlich an der Tür und zu Emilias Überraschung stand Frau Engelbert vor dem Haus. Ihr Vater hatte sie eingeladen. Immerhin war sie auch neu in der Stadt und kannte auch noch niemanden. Emilia freute sich riesig. Noch größer war die Freude aber, als Emilias Vater zu Frau Engelberts Auto musste, um die großen Kisten mit dem Weihnachtsschmuck zu holen. Emilia schmückte mit Frau Engelbert das gesamte Haus winterlich, weihnachtlich, wunderschön. Und auch Emilias Papa half, wo er konnte. Würde man es nicht besser wissen, könnte man meinen, hier feiert eine glückliche Familie ein bezauberndes Weihnachtsfest.

Emilias Vater und Frau Engelbert – oder besser gesagt Emilias Vater und Maria, wie Emilia sie nun nennen durfte, verstanden sich richtig gut. Sie lachten viel miteinander und verbrachten den Abend zusammen bis spät in die Nacht. Emilia wurde irgendwann müde und lag glücklich in ihrem Bettchen, als ihr Vater sie zudeckte und ihr noch einen Kuss gab. „Gute Nacht.“ Flüsterte ihr Vater. „Gute Nacht Papa.“ Antwortete Emilia. Dann schaute sie zur Tür des Kinderzimmers, wo Maria stand und lächelte. „Gute Nacht Maria. Es war wirklich schön heute.“ Flüsterte Emilia. „Gute Nacht, Süße. Das fand ich auch!“ Flüsterte Maria zurück. Danach schlossen Emilias Vater und Maria vorsichtig die Zimmertür und Emilia schloss die Augen. Sie dachte ganz fest an den Weihnachtsmann und flüsterte: „Danke.“ Dann schlief sie ein.

Autor: Jens Pätz

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