Das Märchenbuch

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Cover zur Gute Nacht Geschichte Das Märchenbuch - Märchenbuch auf blauem Hintergrund

Marvin und  seine kleine Schwester Linda bekamen heute ein Buch mit der Post zugesandt. Marvins und Lindas Eltern hatten den Umschlag entgegengenommen und waren sehr überrascht. Auf dem Umschlag stand nämlich nicht wer es geschickt hatte.

 „Komisch.“ Sagte die Mama und drehte das Buch in den Händen hin und her. „Es ist ein Märchenbuch.“ Stellte sie fest. „Und kein Absender?“ Fragte der Papa. „Nein.“ Antwortete die Mama und gab das Buch an den Papa weiter. Während der Papa sich das Buch anschaute sagte er: „Ach, das hat bestimmt die Oma geschickt und wieder vergessen die Hälfte auszufüllen.“ Dann wollte er gerade in das Buch hineinschauen, als Marvin danach griff. „Das ist für mich und Linda. Also schauen wir zuerst rein.“ Rief er und dampfte in sein Zimmer ab.

Am Abend waren die Eltern mit Freunden verabredet und Marvin sollte zum ersten Mal auf seine kleine Schwester aufpassen. „Also, Marvin.“ Sagte die Mama. „Für den Fall, dass irgendetwas sein sollte, habe ich dir Mamas und Papas Nummer aufgeschrieben. Achte bitte darauf, dass deine Schwester ihre Zähne putzt bevor sie schlafen geht. Und sie ist um sieben Uhr im Bett – hast du gehört?“ „Ja, Mama.“ Antwortete Marvin. Aber die Mama redete weiter: „Wir sind auch ganz schnell wieder da. Essen ist in der Küche. Es ist alles schon vorbereitet.“ Dann zeigte sie auf einen zweiten Zettel: „Marvin, wenn du uns nicht erreichst, dann steht hier auch die Nummer von Oma Helene, Opa Karl, Oma Beate und Opa Ludwig. Aber Opa Ludwig rufe nur an, wenn es nicht anders geht. Du weißt, er kommt mit dem Handy nicht so klar.“ Wieder nickte Marvin eifrig: „Ja, Mama. Ist gut jetzt. Ich mache das schon.“

Als die Mama gerade nochmal Luft holte um wieder weiterzureden, nahm der Papa sie an die Hand: „Na, komm jetzt.“ Sagte er. „Es wird alles gut gehen. Wir sind nur 2 Stunden weg und auch gar nicht weit weg. Außerdem sind wir jetzt schon zu spät.“ Und im nächsten Moment waren sie auch schon aus der Tür raus.

Marvin erledigte seine Aufgabe als Aufpasser vorschriftsgemäß. Er servierte das Abendessen, brachte danach alles wieder in die Küche, machte lustige Späßchen mit seiner Schwester, beobachtete sie beim Zähneputzen und brachte sie ins Bett.

Soweit, so gut. Nur konnte Linda nicht einschlafen. Marvin summte ein Schlaflied. Aber das half nichts. „Soll ich dir eine Geschichte vorlesen?“ fragte er dann und Linda nickte. Doch sie wollte keine aus ihrem Buch: „Die kenne ich schon alle.“ Sagte sie. Da fiel Marvin das Märchenbuch wieder ein. „Warte kurz.“ Sagte er und flitzte los.

Mit dem Märchenbuch bewaffnet kam er zurück und strahlte. „Hier haben wir ein ganzes Buch voller neuer Geschichten.“ Sagte er, setzte sich zu Linda aufs Bett und schlug das Buch auf – Aber was war das?

Marvin aus der Gute Nacht Geschichte Das Märchenbuch mit aufgeklapptem Märchenbuch und Märchenfiguren, die aus dem Buch kommen.

Als Marvin das Buch aufklappte, konnten die Beiden ihren Augen kaum trauen. Die Seiten des Buches waren leer. Doch plötzlich wuchs aus dem Buch heraus ein Baum und auf dem Baum ein Haus. Ein riesiger bunter Schmetterling flatterte im Zimmer umher und ein Fisch sprang zur Seite heraus. Eine Fee schwirrte hoch zum Haus und darüber flog ein blauer Drache und spuckte Feuer aus. Ein Sternenhimmel glitzerte an der Zimmerdecke und der Mond schien hell bis in jede Ecke.

Dann verschwand alles wieder und im Buch brannte sich der Name des ersten Märchens ein. Wenn Marvin las, dann erschienen mehr Worte und das Märchen erwachte mit jedem Wort mehr zum Leben. Die Geschichte spielte sich vor ihren Augen im Zimmer ab.

Zauberhafte Feen flatterten umher und zogen glitzernde Magie durch die Luft. Linda und Marvin wurden von den magischen Fäden erfasst und schwebten kurz. Im nächsten Moment duckten sie sich schnell, denn es schoss ein Drache über ihre Köpfe hinweg. Auf dem Drachen saß ein tapferer Ritter, der eine Prinzessin retten wollte. Gefangen von einer bösen Hexe fiel die Prinzessin als nächstes aus einem hohen Turm. „Pass auf!“ Rief Linda aufgeregt und wollte die Prinzessin fangen, als der blaue Drache sie auch schon schnappte und auf seinem Rücken sicher davon trug.

War ein Märchen vorbei, verschwand alles wieder und das nächste Märchen bahnte sich seinen Weg in das Kinderzimmer. Wie von Zauberhand schrieb es sich auf die leeren Seiten des Buches. Marvin musste nur noch lesen und es erwachte wieder zum Leben. Immer wieder wechselte er zwischen Lesen und Zuschauen, während Linda wie gebannt auf dem Bett saß und den Märchen folgte.

„Ui, das kitzelt!“ Sagte Linda plötzlich. Marvin schaute seine Schwester an und musste lachen. Ein bunter Schmetterling hatte sich auf ihre Nasenspitze gesetzt. Mit einer Hand schnappte Linda nach ihm, doch er löste sich in Luft auf. Sie war enttäuscht, den Schmetterling nicht gefangen zu haben. Aber schon kurz darauf flogen ganz viele bunte Schmetterlinge durch den Raum und Lindas Augen funkelten wieder. Sie sprang auf und tanzte mit ausgestreckten Armen durch ihr Zimmer.

So passierten noch viele fantastische Dinge, aber es wurde immer später und Linda konnte ihre Augen kaum noch offen halten. Während Marvin die letzten Zeilen eines Märchens las schlummerte sie weg. Und auch Marvin war sehr müde geworden und klappte das Buch zu. „Das bleibt unser Geheimnis.“ murmelte er noch, bevor er neben seiner Schwester einschlief. Das Märchenbuch hielt er dabei fest umklammert in seinen Armen.

Als die Eltern nach Hause kamen, wunderten sie sich, dass überall Licht brannte, aber niemand da war. Dann fanden sie Marvin und Linda selig schlummernd im Bettchen liegen. „Guck mal.“ Flüsterte die Mama zum Papa. „Er hat das Buch noch in der Hand.“ „Ja.“ Antwortete der Papa. „Das hat er wirklich gut gemacht. Mit Geschichte vorlesen und allem drum und dran.“ Und die Mama lehnte sich an den Papa an und seufzte: „Sind sie nicht süß - unsere Beiden?“ Da nickte der Papa: „Ja, das sind sie. Aber jetzt lassen wir sie schlafen.“ Und vorsichtig schloss er die Tür.

Dann hörte man plötzlich die dumpfen Flügelschläge eines Drachen. „Hast du das gehört?“ Fragte die Mama und wollte schnell nachsehen. Aber der Papa beruhigte sie: „Komm, lass die beiden mal schlafen. Das ist bestimmt nur das Buch, das heruntergefallen ist.“ Die Mama nickte zustimmend und ließ die Klinke wieder los. So machten sich Mama und Papa noch einen gemütlichen Abend. Marvin und Linda aber schliefen tief und fest und träumten von den fantastischen Märchen.

Autor: Jens Pätz

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