Annika rettet die Elfen

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Mama liest Annika eine Gutenachtgeschichte vorAnnika kuschelte sich tief in die weiche Bettdecke hinein und drückte ihren Teddy fest an sich. Gerade war ihre Mutter im Zimmer gewesen und hatte ihr eine gute Nacht gewünscht. Aber Annika wusste nicht, ob diese Nacht wirklich gut werden würde. Sie dachte an den vergangenen Tag und schaute traurig ins Dunkle. „Ach Teddy, wenn Du wüsstest“, seufzte sie. Heute hatten die Kinder in der Schule sie geärgert. Einen Angsthasen hatten sie Annika genannt und dabei gelacht. Jetzt, wo sie wieder daran dachte, liefen ihr ein paar Tränen die Wangen hinunter. Annika hatte sich einfach nicht getraut, beim Turnunterricht über den Kasten zu springen. Er sah so hoch aus. Nie würde sie es schaffen, unverletzt über dieses Turngerät zu kommen. Aber mussten die anderen sie deswegen gleich auslachen? Annika überlegte. Natürlich gab es auch viele andere Dinge, bei denen sie sich nicht traute, mitzumachen. Gestern zum Beispiel waren alle ihre Schulfreundinnen von einer kleinen Mauer gesprungen. Nur Annika hatte zugeschaut. Sie richtete ihren Blick nachdenklich auf den Lichtschein, der vom Fenster her ins Zimmer kam.

Plötzlich hielt das Mädchen vor Schreck den Atem an. Hatte sich da nicht etwas bewegt? Sie sah noch einmal zum Fenster hin. Annika glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Auf dem Fenstersims saß ein winziges Wesen mit Flügeln. Es sah aus wie ein Mädchen, allerdings war es viel kleiner. Das Wesen trug ein wunderschönes Kleid, welches in allen Farben schimmerte. Als die kleine Besucherin bemerkte, dass Annika zu ihr hinsah, stand sie auf und sagte: „Hallo Annika. Darf ich mich vorstellen? Ich bin die Elfe Lavinia.“ Die kleine Elfe lächelte Annika freundlich an und sprach dann weiter. „Bitte entschuldige die späte Störung, aber wir brauchen dringend deine Hilfe.“ Mit diesen Worten setzte sich Lavinia wieder auf den Fenstersims.

Annika rettet die Elfen - Lavinia die kleine ElfeAnnika hatte atemlos zugehört. Träumte sie etwa schon? Es konnte doch nicht sein, dass diese Elfe mit den langen Haaren und dem wunderschönen Kleid tatsächlich in ihrem Zimmer saß. Woher kannte sie ihren Namen? Annika war so fasziniert von der rätselhaften Elfe, dass sie überhaupt keine Angst hatte. Außerdem war Lavinia wirklich winzig. Konnte so ein kleines Wesen überhaupt gefährlich sein? „Du brauchst keine Angst vor mir zu haben“, sagte die Elfe, als ob sie ihre Gedanken erraten hätte.

„Hallo“, sagte Annika leise. „Woher kennst du meinen Namen?“ Als die Elfe von Annika angesprochen wurde, stand sie wieder auf und machte vor Freude einen Luftsprung. Dabei bewegten sich ihre zarten Flügel. Im nächsten Moment schwebte Lavinia lautlos durch die Luft. Annika staunte. Aber viel Zeit zum Nachdenken blieb ihr nicht. „Hurra, du hast mit mir gesprochen!“, rief Lavinia. „Heißt das, ich darf bleiben?“ „Ja“, sagte Annika, die beschlossen hatte, zunächst einmal keine Angst vor der Elfe zu haben. „Aber woher weißt du denn bloß meinen Namen?“, fragte sie noch einmal nach. Lavinia lächelte wieder. Dann begann die Elfe zu erzählen.

„Ich komme aus dem Elfenwald“, sagte sie. „Er ist ganz bei euch in der Nähe. Aber du kannst uns normalerweise nicht sehen. Wir hatten ein schönes Leben in dem Wald. Mit allen Tieren sind wir gut befreundet. Doch vor ein paar Tagen hat sich plötzlich alles verändert.“ Die Elfe machte eine Pause und schluckte. „Was ist denn passiert?“, fragte Annika teilnahmsvoll. Sie mochte die kleine Elfe.

„Der Zauberer Furius ist plötzlich in unseren Wald gekommen und hat alle Elfen in Steine verzaubert“, flüsterte die kleine Elfe. „Nur mich hat er nicht erwischt, weil ich gerade mit ein paar Hasen Fangen gespielt habe. Als ich zurückkam, waren die anderen Elfen verschwunden. Wir müssen sie unbedingt befreien.“ Lavinia begann zu weinen. Annika hatte gespannt zugehört. „Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte sie. Die kleine Elfe hörte auf zu weinen. „Ja, das kannst du“, sagte sie.

Annika rettet die Elfen - Eulalia die kluge EuleDann erzählte die Elfe dem Mädchen, dass sie an jenem Tag, als das alles passiert war, Eulalia, die kluge Waldeule, um Rat gefragt hatte. „Eulalia hat gesagt, nur ein mutiges Mädchen namens Annika könnte uns retten“, sagte die Elfe und sah Annika bittend an. Jetzt musste Annika lachen. „Es tut mir sehr leid. Ich würde dir nur zu gerne helfen, aber mutig bin ich nun wirklich nicht“, sagte sie. Annika dachte wieder daran, was am Morgen dieses Tages passiert war, doch es kam ihr so vor, als wäre das schon viel länger her. Die kleine Elfe flog plötzlich ganz nahe zu Annika hin und setzte sich auf ihren Nachttisch. „Ist das wahr? Du würdest uns wirklich helfen?“, fragte sie aufgeregt. „Ja, aber leider bin ich der größte Angsthase der ganzen Stadt“, sagte Annika. Die Elfe sah Annika erstaunt an. Einen Moment lang schwieg sie. „Das kann nicht sein“, sagte sie dann, als sie sich wieder gefasst hatte. „Ich glaube, du bist ein mutiges Mädchen, du weißt es nur noch nicht. Denn genau das hat Eulalia über dich gesagt. Und sie hat sich noch nie getäuscht, seit ich im Elfenwald lebe. Also musst du mutig sein. Vielleicht hast du es nur einfach noch nicht bemerkt.“ Annika hatte der Elfe genau zugehört. Jetzt war sie wirklich sprachlos. Sie sollte mutig sein und die Elfen retten können? Das war ganz bestimmt eine Verwechslung. Andererseits hatte sich die kluge Waldeule noch nie getäuscht. Vielleicht stimmte es also doch. „Was muss ich tun?“, fragte Annika. „Wir bräuchten den Zauberstab aus deinem Zauberkasten“, sagte Lavinia. „Dann könnten wir alle Elfen noch heute Nacht befreien. Denn nachts schläft der Zauberer.“

Annika war bei den Worten der Elfe erschrocken. Sie konnte doch unmöglich nachts in den Wald gehen. Oder war es doch machbar? Die kleine Elfe sah Annika so bittend an, dass sie ihr den Wunsch einfach nicht abschlagen konnte. Über die Botschaft der Eule hatte das Mädchen sich außerdem sehr gefreut. Vielleicht war sie ja wirklich mutig und wusste es nur noch nicht. Plötzlich bekam sie Lust, das auszuprobieren.

Mit einem Satz sprang Annika aus ihrem Bett. „Wo ist nur der Zauberkasten?“, rief sie und durchstöberte ihre Spielsachen. Schon nach kurzer Zeit hatte sie den Kasten gefunden und zog den Zauberstab heraus. Lavinia beobachtete sie mit leuchtenden Augen. „Kann es losgehen?“,fragte sie Annika. Das Mädchen nickte. „Halte dich an mir fest!“,rief Lavinia. Dann flogen sie hinaus in die Nacht. Draußen war es ganz dunkel. Ein paar Fledermäuse huschten durch die Luft. Aber seltsamerweise hatte Annika gar keine Angst. Sie dachte nur daran, wie schön es wäre, wenn sie den Elfen wirklich helfen könnte.

Annika nachts auf dem Weg in den FeenwaldSchon waren die beiden am Waldrand angekommen. Lavinia landete kurz. „Bist du bereit, mich in den Wald zu begleiten?“, fragte sie. Annika nickte. Und schon flogen die beiden weiter. Nach kurzer Zeit landete die Elfe wieder. „Hier in der Nähe ist es“, flüsterte sie aufgeregt. Leise schlichen die beiden zu der Stelle, wo sich die verzauberten Elfen befanden. Sie waren sehr aufgeregt. Dann berührte Annika jeden der Steine mit ihrem Zauberstab, Lavinia sprach gleichzeitig einen Zauberspruch.

Plötzlich war der Wald von vielen kleinen Elfen bevölkert, die sich alle glücklich bei Annika und Lavinia bedankten. Aber ihnen blieb nicht viel Zeit. „Ich bringe dich nach Hause, der Zauberer darf uns nicht bemerken“, sagte Lavinia. Und schon flogen sie wieder zurück. Nach kurzer Zeit waren die beiden am Haus von Annikas Eltern angekommen. Die kleine Elfe schenkte Annika einen Ring. „Damit kannst du mich jederzeit rufen, wenn du Hilfe brauchst“, sagte sie. „Reibe den Ring einfach zwischen den Fingern, schon bin ich da.“ Dann verabschiedeten sich die beiden.

Als Annika wieder in ihrem Bett lag, dachte sie: Die Eule hatte recht. Ich habe es einfach noch nicht gewusst, dass ich mutig bin. Stolz und glücklich schlief sie ein.

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